Montag, 16. November 2015

Bitte lassen Sie ihr Gebäck nicht unbeaufsichtigt - Das große Backen auf Sat 1

Oder auch: Wie ich an einem Wochenende mehr Werbeeinblendungen sah, als im restlichen Jahr.

Durch Zufall las ich auf Twitter von einem deutschlandweiten Entsetzensschrei der Oberklasse. Er galt dem Rougedesaster namens Enie van Meiklokjes, die sich ein Herz nahm und das Hypeprodukt von essence “Cute as hell”-LE (anno 2010) in einem Rutsch aufgebraucht hat, damit sie Platz im Schrank hat und sorglos noch mehr Rouges kaufen kann, die sich ätzig mit ihrer Haarfarbe beißen.Was durch den Shitstorm in den Hintergrund rückte: Eigentlich drehte sich das Drama um die Sendung “Das große Backen” auf Sat 1, deren dritte Staffel aktuell lief. Bzw. fast gerade eben schon gelaufen war, denn es lief schon das Finale und das schon eine ganze Weile. Oh nein, Drama.

Also fasste ich mir ein Herz, schmiss die Mediathek an und opferte mein freies Wochenende einigen labilen Kandidaten und der donutfrisurigen Heidi Klum der C-Promilandschaft, die ihrem Idol, was die Schrillität ihrer Stimme angeht, eindeutig das Wasser reichen kann. Was an Enie deutlich sympathischer ist: Sie ist nicht das leuchtende Vorbild wie Heidi (“ICH MUSSTE DAS AUCH MAL MACHEN, ICH HAB DAS VIEL BESSER GEMACHT, SCHAU MAL WIE ICH DAS MACHE”), sondern.. sie ist einfach da. Die Juryvorstellungsrunde der letzten Staffel lief ungefähr so ab: “Konditormeister so und so, Patisserieweltmeister so und so.. und die hübsche Enie!” und ganz genau beschreibt die Sache genau.


“Das große Backen” ist quasi eine riesige, große Werbesendung. Nicht nur der Sponsor Dr. Oetker rückt sich immer ins rechte Licht, sondern die Teilnehmer bloggen auch fast ausnahmslos. Neben Bloggerinnen gibt es auch noch gestandene Hausfrauen, die seit 25 Kindergeburtstagen Rotweinkuchen backen, und auch junge Banker, die seit 6 Monaten einfach mal so das backen angefangen haben, um durch Sendung ihr eigenes Kochbuch veröffentlichen zu dürfen. Oder massige Cholerikerinnen, die fluchend Backringe durch die Gegend schmeißen.

Nur kurz, um die Sendung zu umreißen: Es gibt pro Folge eine “Technikchallenge” mit nachzubackenden Klassikern, und eine Freestyleaufgabe bei denen die Kandidaten sich zu einem Thema Gedanken machen müssen.

Für mich ist das wirklich nett anzuschauen, weil die Themen schon fordernd und interessant sind und ach, ich bin halt ein altes Weib und seh gerne Kochsendungen.

…. wenn, ja wenn. Wenn nicht ständig die Küchengeräte von SMEG (Tja, so hättet ihr euch die Kooperation mit Sat 1 nicht vorgestellt, oder?) den Teilnehmern ein Strich durch die Rechnung machen würden. Es reicht nämlich nicht, dass die Leute im Hochsommer in einem Zelt (ich wiederhole, in EINEM ZELT!) backen müssen, wo stetig Temperaturen von mindestens 37°C herrschen, nein – absolut random fallen Öfen aus, regeln sich auf 100°C herunter oder heizen plötzlich so hoch, dass man DEN RING darin einschmelzen könnte.
Liebe Fernsehleute. Die Zuschauer sind nicht blöd. Eine angebliche Teilnehmerin bestätigte es auch anonym auf Youtube: Natürlich ist das alles manipuliert, um es spannender zu machen. Ich erwartete wirklich andauernd, doch mal einen Praktikantenschädel zu erblicken, der durch die Gänge robbt und heimlich die Öfen ausdreht.
Es ist peinlich, Sat 1! SO PEINLICH!

Nichtsdestotrotz: Ich werde es mir auch nächstes Jahr wieder anschauen, mich aufregen und fragen, wer solche Mengen an Buttercreme verdauen kann, ohne danach Kandidat bei “das große Kacken” zu sein.

Wer Lust und zu viel Zeit hat, ist eingeladen die angeblich größte Backshow der Welt anzuschauen. Es ist echt unterhaltsam. Und wer sich daran gewöhnt, alle 10 Minuten 3 Minuten Werbung anzuschauen (die so zufällig ausgewürfelt wird, dass man manchmal 3x den gleichen Clip hintereinander laufen lässt), wird sich nie mehr über kurze Einblendungen bei Youtube aufregen müssen. Das ist alles Therapie!