Sonntag, 20. Dezember 2015

Hairside Story


Ihr wartet schon seit Ewigkeiten darauf, ich ahnte es. Heute in der Musical Edition – ein Haarupdate! Ich konnte mich beim Titel gar nicht entscheiden, beinahe wäre es “Hairloose” geworden. :D
Seit Jahren, ja seit ungelogen fast 10 Jahren, möchte ich echt  gerne lange Haare haben. 2010 habe ich hier auf dem Blog sogar eine ganze Kategorie darüer gehabt, die meinen Fortschritt dokumentieren sollte. Die letzten Einträge sind von Mitte 2012 und seither hat sich offiziell der Wind gedreht.
War ich 2012 noch am Jammern, bin ich quasi schon am Weinen. Denn ihr kennt mich, alles ist noch beschissener geworden! :D Ein Rant und ganz viel Weibergeheule nach dem Cut, denn ich hab ja keine richtigen Probleme.

Montag, 16. November 2015

Bitte lassen Sie ihr Gebäck nicht unbeaufsichtigt - Das große Backen auf Sat 1

Oder auch: Wie ich an einem Wochenende mehr Werbeeinblendungen sah, als im restlichen Jahr.

Durch Zufall las ich auf Twitter von einem deutschlandweiten Entsetzensschrei der Oberklasse. Er galt dem Rougedesaster namens Enie van Meiklokjes, die sich ein Herz nahm und das Hypeprodukt von essence “Cute as hell”-LE (anno 2010) in einem Rutsch aufgebraucht hat, damit sie Platz im Schrank hat und sorglos noch mehr Rouges kaufen kann, die sich ätzig mit ihrer Haarfarbe beißen.Was durch den Shitstorm in den Hintergrund rückte: Eigentlich drehte sich das Drama um die Sendung “Das große Backen” auf Sat 1, deren dritte Staffel aktuell lief. Bzw. fast gerade eben schon gelaufen war, denn es lief schon das Finale und das schon eine ganze Weile. Oh nein, Drama.

Also fasste ich mir ein Herz, schmiss die Mediathek an und opferte mein freies Wochenende einigen labilen Kandidaten und der donutfrisurigen Heidi Klum der C-Promilandschaft, die ihrem Idol, was die Schrillität ihrer Stimme angeht, eindeutig das Wasser reichen kann. Was an Enie deutlich sympathischer ist: Sie ist nicht das leuchtende Vorbild wie Heidi (“ICH MUSSTE DAS AUCH MAL MACHEN, ICH HAB DAS VIEL BESSER GEMACHT, SCHAU MAL WIE ICH DAS MACHE”), sondern.. sie ist einfach da. Die Juryvorstellungsrunde der letzten Staffel lief ungefähr so ab: “Konditormeister so und so, Patisserieweltmeister so und so.. und die hübsche Enie!” und ganz genau beschreibt die Sache genau.


“Das große Backen” ist quasi eine riesige, große Werbesendung. Nicht nur der Sponsor Dr. Oetker rückt sich immer ins rechte Licht, sondern die Teilnehmer bloggen auch fast ausnahmslos. Neben Bloggerinnen gibt es auch noch gestandene Hausfrauen, die seit 25 Kindergeburtstagen Rotweinkuchen backen, und auch junge Banker, die seit 6 Monaten einfach mal so das backen angefangen haben, um durch Sendung ihr eigenes Kochbuch veröffentlichen zu dürfen. Oder massige Cholerikerinnen, die fluchend Backringe durch die Gegend schmeißen.

Nur kurz, um die Sendung zu umreißen: Es gibt pro Folge eine “Technikchallenge” mit nachzubackenden Klassikern, und eine Freestyleaufgabe bei denen die Kandidaten sich zu einem Thema Gedanken machen müssen.

Für mich ist das wirklich nett anzuschauen, weil die Themen schon fordernd und interessant sind und ach, ich bin halt ein altes Weib und seh gerne Kochsendungen.

…. wenn, ja wenn. Wenn nicht ständig die Küchengeräte von SMEG (Tja, so hättet ihr euch die Kooperation mit Sat 1 nicht vorgestellt, oder?) den Teilnehmern ein Strich durch die Rechnung machen würden. Es reicht nämlich nicht, dass die Leute im Hochsommer in einem Zelt (ich wiederhole, in EINEM ZELT!) backen müssen, wo stetig Temperaturen von mindestens 37°C herrschen, nein – absolut random fallen Öfen aus, regeln sich auf 100°C herunter oder heizen plötzlich so hoch, dass man DEN RING darin einschmelzen könnte.
Liebe Fernsehleute. Die Zuschauer sind nicht blöd. Eine angebliche Teilnehmerin bestätigte es auch anonym auf Youtube: Natürlich ist das alles manipuliert, um es spannender zu machen. Ich erwartete wirklich andauernd, doch mal einen Praktikantenschädel zu erblicken, der durch die Gänge robbt und heimlich die Öfen ausdreht.
Es ist peinlich, Sat 1! SO PEINLICH!

Nichtsdestotrotz: Ich werde es mir auch nächstes Jahr wieder anschauen, mich aufregen und fragen, wer solche Mengen an Buttercreme verdauen kann, ohne danach Kandidat bei “das große Kacken” zu sein.

Wer Lust und zu viel Zeit hat, ist eingeladen die angeblich größte Backshow der Welt anzuschauen. Es ist echt unterhaltsam. Und wer sich daran gewöhnt, alle 10 Minuten 3 Minuten Werbung anzuschauen (die so zufällig ausgewürfelt wird, dass man manchmal 3x den gleichen Clip hintereinander laufen lässt), wird sich nie mehr über kurze Einblendungen bei Youtube aufregen müssen. Das ist alles Therapie!

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Unterstützt durch Produktplatzierungen

Hallo, ihr kessen Kirschen!

Passend zum herbstigen, trostlosgrauem Wetter habe ich heute eine Torte für euch hergestellt, deren geheimes Rezept seit Jahren in meiner Familie weitergereicht wird und mich an so manchen sonnigen Sommertag in meiner Kindheit erinnert, an dem meine ganze Familie zum Sonntagskaffee im lichtdurchfluteten Hof meiner Großeltern beisammensaß und wir eine wunderbare Zeit zusammen durchlebten, während mein Opa davon erzählte, wie er seine große Liebe kennengelernt hatte und mir meine Schwester Gänseblümchen in die Haare geflochten hat.

.. Nein, das war gelogen. Das Rezept hab ich mir ausgedacht und spontan zusammengeschustert, an meinen Opa kann ich mich nicht erinnern, wir haben im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses gewohnt und meine Schwester hätte mir höchstens Hamsterköttel in die Haare geflochten. Und naja, die Torte ist nicht für euch.
Außerdem habe ich mich damit abgefunden niemals als Foodbloggerin groß rauszukommen, da ich es nicht schaffe dauerhaft so malerisch wie eine bekiffte QVC-Verkäuferin zu schreiben, die wegen ausschweifender Esoterik aus der Puppenstunde geflogen ist.

Aber eine Torte habe ich trotzdem gemacht! Genauer gesagt, eine dekadente Schokoladen-Kirschtorte mit gefühlten 25 Schichten, die ein bisschen “mon cherie”-mäßig angehaucht ist, nur ohne Schnaps.

Ich bin zur Zeit krank. Mich hat ein furchtbarer Männerschnupfen aus dem Verkehr gezogen, weshalb ich mich jetzt zu Hause beschäftigen muss – und dank meines patentierten Medikamentencocktail bin ich sogar einigermaßen mobil im Umkreis von 10 Metern. Ausgerüstet mit einer Literflasche Sterillium habe ich mich an eine Geburtstagstorte gewagt, die ich eigentlich zur eigenen Dokumentation auf Instagram posten wollte. Mitten im Unterfangen ist mir aufgefallen, dass das trotz aller Multitaskingtalente unmöglich ist - und hey, wenn alle über neue Primarkunterhosen als OOTD bloggen können, kann ich das auch über Kuchen!

Es tut mir leid, dass meine Fotos aussehen, wie aus der Hüfte geschossene Handyfotos, aber da mein Fotograf ausgefallen ist, sind es welche. Die Marmortischplatte für besondere Augenblicke war zu schwer, um sie alleine auf den Tisch zu heben, und da meine handgedrechselte Elderbaumtafel gerade beim Nachschleifen ist, gibt es nur eine gepunktete Aldi-Wachstischdecke. Ach, dieser häusliche, heimelige Stil einfacher Leute – er kann manchmal so gemütlich sein, findet ihr nicht auch? :’)

20151008_131718Als Unterlage dient ein neutraler Mürbeteig. Im Hintergrund zeigt uns das absolute Chaos, dass meine Schränke nicht sonderlich gut sortiert sind, seufz! Vielleicht kann man da ja mal Abhilfe schaffen, zwinker!

Da die Torte für eine große Familie bestimmt ist, hab ich meinen Tortenring auf Anschlag gedreht und einen Boden mit 30cm Durchmesser gerollt

Den Mürbteigboden habe ich dann kurz vorgebacken, um einen zweischichtigen Boden zu machen, weil ich den einfach selbst am liebsten habe.

 

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Als der Boden dann aus dem Ofen kam, hab ich ihn mit Kirschmarmelade vom Discounter bestrichen, die meine Oma in der Einleitungsstory bestimmt selbstgekocht hätte, vom Kirschbaum im Garten. Leider hat mein Garten nur einen Sauerkirschbaum, der die winzigsten Früchte der Welt trägt und die gesamte Säure aller beleidigten Kirschbäume dieser Welt in sich konzentriert hat.

Und liebe Blogleserinnen: Um etwaige lesende Männer nicht unter Schock zu setzen, werden wir unsere Assoziationen mit diesem Foto nicht aussprechen, auch wenn es schwer fällt.

 

 

20151008_133659Dann kam Schicht Nr. 3, ein normaler Schokobiskuitteig, der direkt 20151008_133919auf dem bestrichenen Mürbteig gebacken wird, damit sie sich optimal miteinander verbinden.
Auch wenn ich immer soviel ins Lächerliche ziehe, bei Essen mach ich keine Scherze. Das ist der beste Tortenboden der ganzen Welt.

 

 

 

Dieser Biskuitboden wird vor dem Backen noch mit frischen Kirschen aus dem Glas gespickt und sieht dann folgendermaßen aus:

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20151008_150930Solange der Boden abkühlt, mache ich die Schokoflammerimousse, die ich dann daraufgebe und auskühlen lasse.20151008_163036

Ganz dezent in jedem Foto versteckt ist natürlich Produkt X, mit dem ihr jetzt “Wo ist Walter?” spielen könnt. Bei auffälligen Platzierungen müsste ich natürlich den Sponsor markieren, was ich bei diesem zufälligen und leicht geblurrten Erscheinen klug umgehen kann. Dies stellt sicher, dass ich weiterhin authentisch rüberkomme und ihr mich als Bloghummel von Nebenan ansehen könnt.

 

Als Topping bekommt die Schokomousse noch eine Schicht Kirschcreme. Das Foto vom Entstehungsprozess habe ich weggelassen, da es aussah, als würde ich Blutwurst kochen und dafür habe ich zu viele vegane Leser.

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Tada! Die fast fertige Torte! Nicht zu vergessen, meine patentierte, gelbe Glücksfußklammer. Wer meine Klammer disst, wird geblockt.
Eine Nacht im Kühlschrank, und wir können den Ring entfernen. Dabei entblößen wir die Schichten:

20151009_100823Von oben nach unten:

- Kirschpralinen
- Kirschcreme
- Schokomousse
- Schokobiskuit
- Geleeschicht
- Mürbeteig

 

Und so sieht das fertige Prachtstück aus. Mit so viel Deko, wie ich sie gerade noch ertragen kann:

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Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und diesen famosen Zeitvertreib, bei dem ich fast vergessen habe, dass mein Hals wehtut.

Samstag, 29. August 2015

Look at my Ohr, my Schmuck is amazing

Ich war noch nie der Typ, der etwas gesammelt hat. Gut, ich habe mal einen Sommer lang ganz penibel die Micky Maus gekauft, damit ich das Fähnlein Fieselschweif-Buch zusammenbekomme, die es als Beilage gab, aber das zählt nicht wirklich.

Wenn es aber um Ohrringe geht, habe ich total einen an der Klatsche.

Alles begann in meiner Kindheit Mir wurden auf eigenen Wunsch beim Optiker Ohrringe geschossen. Es tat schweineweh und ich bekam als Trost Toffee-Bonbons, die meine Heulerei nur noch schlimmer machten (“Ich.. ich.. HASSE KARAMELL!!!!”). Es hat sich im Endeffekt sofort furchtbar entzündet und die Goldohrringe von meinen Großeltern konnte ich nicht tragen. Der ruppige Versuch seitens meiner Eltern, die Löcher nach Abklingen der Entzündung einfach mit den “medizischen Ohrsteckern” wieder freizufetzen war schmerzhaft und eine verdammt beschissene Idee, die mich für Jahre von dem Wunsch nach Ohrlöchern befreit hat.
In meinen Teeniejahren ließ ich mir, klug wie ich war, wieder für 5 Mark Löcher schießen. Zu meinem Glück sind sie sogar ohne eine Sepsis abgeheilt.

Im Jahre 2007 kam dann der Umschwung. Ich war gerade im Müller, und irgendetwas war so grün, so strahlend, dass die Leute reihenweise erblindet sind und in die Regale fielen.

IMG_4399Das sind sie. Mein erstes Paar Ohrringe. Die Neonhaftigkeit kann man auf diesem Bild nur erahnen.
Ich kann kaum zählen, wie häufig sich Leute mit gequält zusammengepressten Augen von mir abgewendet haben – ich hoffe mal wegen der Farbgewaltigkeit und nicht wegen meiner absurden Schönheit. Oder weil sie mich für einen Basilisken gehalten haben. Wer weiß.

 

Mein Einsatzgebiet sind Billigohrringe, meine Dealer sind Kitschkruschtläden wie Kik, Tedi und nein, ich schäme mich kein Stück dafür. Mein Wille ist groß und mein Geiz noch stärker.

IMG_4400 Die Klassiker meiner Sammlung. Tröpfenförmige Ohrhänger in 1300 verschiedenen Ausführungen, Größen und Farben. IMG_4412

 

Ich kann es ehrlich gesagt gar nicht erwarten, um zum Herzstück meiner Sammlung zu kommen. OBSTOHRRINGE!
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Wenn ihr wissen wollt, was wahre Liebe ist, dann schaut mich und mein glückliches Gesicht an, wenn ich Obstohrringe gefunden habe. Die großen Erdbeerohrringe unten war der wunderschöne Anfangt. Erstanden habe ich diese für 1€ bei Tedi und meine Oma hat sie nur kommentiert mit “Naja, es ist ja bald Fasching”. Für mich ist nie Fasching, sondern ganzjährig Fruchtsaison und wer lachende Bananen an den Ohren hat, kann niemals grimmig schauen.

 

 

IMG_4410 Neben Früchten habe ich jedoch auch noch ein ausgeprägtes Faible für Saisonohrringe. Eistüten, Schneeflocken und – watch out – blinkende Christbäume. Lachende, blinkende Christbäume, Bitch! IMG_4404

Ich liebe meine Ohrringe, aber alle herzuzeigen, schürt nur Neid und Missgunst. Da bei originalen Marc Jacobs-Handtaschen mit herausblitzenden Moetflaschen ständig Kritikerkriege bei Fashionblogs ausbrechen und Bäckerinnen für gesponserte Kitchen Aid plus Zubehör und Schleichwerbung aufs Maul kriegen, werde ich mich jetzt mit meinem Modeschmuckreichtum zurückhalten in Gedenken an die armen Leute, die sich keine so große Sammlung an Plastikschmuck im Wert von 21,50€ leisten können.

Die schönste Herausforderung ist übrigens tatsächlich immer, das perfekt passende AMU dazu zu schminken. Nur riesige, blaue Ohrhänger können mich dazu verleiten, ein dunkelblaues AMU zu tragen.

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Ich rufe euch hiermit auf zum Ohrring-Battle. Wer kann meine ausgefeilte Sammlung überbieten? Wer hat Ohrringe in Wassermelonenform? Ich will Bilder, ich will Fotos, ich will Adressen und Links zu Ebayauktionen und zu Blogsales!

Sonntag, 9. August 2015

Lasse reden

 

Welcher von euch grandiosen Frangipanis kennt nicht die grandiosen Ärzte? Und wer kennt nicht diesen grandiosen Song der im Jahr 2007 die Charts, das Radio, sowie Viva und MTV (in den kurzen Musikblöcken, die zwischen der Werbung und Dismissed laufen) überschwemmt hat.
Die Ärzte - Lasse redn

Kurze Zusammenfassung für die, die sich damals in einem funklosen Bunker befanden: Alle zerreissen sich das Maul über einen. Man ist anders, man ist alternativ, man fällt durch seine Einzigartigkeit auf, die Nachbarn kriegen sich gar nicht mehr ein vor lauter abstrusen Geschichten, die sie über einen erfinden.
Als das Album damals released wurde, waren alle Fans begeistert. Man schüttelte sich gegenseitig die Hände, man fühlte sich verstanden.

In die gleiche Kerbe hauen etliche schreckliche Gifs und Fotos bei Facebook. Vorrangig werden sie von strangen Arbeitslosen oder Meganormalos gepostet.
”Nimm mich so, wie ich bin! Ich kann dir ein toller Freund sein, aber versuche mich nicht zu ändern!”, “Wenn jemand zu mir sagt, DU BIST DAS LETZTE, dann lache ich – weil das Beste kommt zum Schluss!”, oder “Teile, wenn du mich akzeptierst, auch wenn ich anders bin und Tattoos habe!”
Jeder lamentiert über Hater, Neider und irgendwie Bitches, die einem nicht mal eine gut gelungene Blondierung gönnen.

Also… ich nicht.
Ich verfüge über einen grandiosen Unsichtbarkeitsschutzschild, der mich noch nie im Stich gelassen hat. Harry Potter wär so neidisch auf mich.
Wie ich das mache?
Ich existiere einfach. Ich bin brav, ich seh lieb aus, ich tu keinem weh und ich bleibe niemandem im Gedächtnis. Manchmal ziemlich nützlich. Manchmal auch hinderlich, zum Beispiel wenn der Biolehrer einen 4 Jahre lang mit Sandra anspricht (so heiße ich nicht) und mir dann keine mündliche Note zum Jahresabschluss verteilen kann, weil “die ja gar nicht hier in der Klasse ist”.
Beim Durchzählen werde ich einfach vergessen, obwohl ich eigentlich größer bin als eine Johannisbeere. In einer Gruppe läuft das immer so ab: “Mathilda, Brigitte, Esther und… die Andere gehen zusammen in eine Gruppe” – Freut mich euch kennenzulernen, ich bin “die Andere”!
Ich bin seit fast zwei Jahren in einer “leitenden Position”. Wunderbar, wenn sich keiner, den du nur selten mal siehst, deinen Namen oder dein Gesicht merkt und dich immer für eine älterere Auszubildende hält. (Immerhin habe ich so den Vorteil, mich 5-7 Mal vorstellen zu dürfen und so den Namen meines Gegenübers auch nochmal zu erfahren. Ich habe nämlich ein beschissenes Namensgedächtnis. Dafür behalte ich wenigstens Gesichter im Kopf!)

Schön und tröstend ist einzig und allein die Tatsache, dass ich nicht allein bin. Es gibt noch mehr Leute wie mich. Ruhig, lieb, spießig und ein bisschen unsichtbar.
Ich habe vor über 10 Jahren eine wunderbare Freundin kennengelernt, der es genauso geht. Wir verschwanden also Hand in Hand aus den Gedächtnissen unserer Mitmenschen, sobald wir aus der Tür hinauswaren und ließen die Leute höchstens mal nach Kathleen und Sandra fragend zurück.

 

Um aber auf die Eingangsbeispiele zurückzukommen… ich bin ja quasi einer der Spießspacken auf dem Dorf, brav und nicht auffallend, introvertiert und total normal.
Und ich frage mich jedes Mal – Leute, wo wohnt ihr denn und was für Mitmenschen habt ihr denn, dass man euch angeblich verurteilt, weil ihr Tattoos habt und ach-so-alternativ seid?!

Keiner hasst heutzutage mehr Leute, weil sie eine andere Musik hören, anders geschminkt sind oder gepierct sind. Klar finden manche das hässlich und würden euch deshalb im allerschlimmsten und oberflächlichen Falle nicht ehelichen wollen, aber giftet man die Leute so an, dass man Bilder auf Facebook posten muss und sich damit als Oberopfer der Gesellschaft markiert?

Ich vermute einfach mal: Die Leute, die “euch” nicht leiden können, die über euch tratschen und Gerüchte verbreiten und sonstige schlimme Dinge machen – machen das, weil ihr euch verstritten habt oder weil einer von euch beiden Parteien ein Arschloch ist.
Ich bin nun wirklich in der tiefsten katholischen Kleinstadtprovinz großgeworden. Sogar in meiner schlimmen Dark-überdark-Gothic-Zeit, in der ich Kajalstife quasi zum Frühstück gegessen habe, habe ich sowas nicht erlebt. Ich hab jedenfalls für meinen Charakter mehr in die Fresse bekommen als für meinen schwarzen Lippensftift und mein bröseliges Nietenarmband vom EMP.

Und im schlimmsten Fall ist man fremden Leuten einfach scheißegal.

Dienstag, 28. Juli 2015

A ella le gusta 2005

Hallo und Wilkommen, liebste Blogleser, zu einer Reise in die Vergangenheit!

Ich habe im Zuge meines Autoverkaufs eben jenes zwangsweise ausgeräumt. Aufgetaucht sind neben einem Kilo Bonbonpapier, Dreck und den selbstgezüchteten Erregern verschiedenster unentdeckter Seuchenarten auch 200 CDs. (Weiterhin als vermisst gemeldet ist ein letztes Jahr heruntergefallenes Türkisch Pfeffer-Bonbon. Mach’s gut!).

Selbstgebrannte CDs – wisst ihr noch, wie toll das Anfang der 2000er war? CDs selbst machen? Man fühlte sich mächtig. Man konnte seine aktuelle Lieblingsmusik hören, selbst zusammengestellt und nach seinen eigenen Bedürfnissen gestaltet – und trotzdem in seinem Zimmer! bei freunden! Auf seinem CD-Player! Oder gar unterwegs auf seinem fancy Discman! Ganz ohne, dass man vorher sein Taschengeld zählen und einteilen musste um sich eine teure Bravo Hits/Orkus-CD zu kaufen. (Aber auch Rohlinge waren ehrlichgesagt 2001/2002 noch wahnsinnig teuer. Man musste echt überlegen, ob man seine Vodafone-Prepaidsim nochmal für 20 Mark aufläd oder 3x im Jahr neue Musik anschafft.)
Schauen wir nun ins Jahr 2005:

Rohlinge waren billiger und auf Spindeln zu bekommen. Audiogalaxy, Kazaa und Soulseek waren tot (und wurden auch vorher natürlich nicht benutzt, wer macht den auch sowas?). Youtube kam. DSL war verbreiteter. Das Brennen einer CD war in unter einer halben Stunde möglich. Sicherheitskopien und gerippte CDs waren nicht mehr nur Hohnwörter in unserem Sprachgebrauch. MP3-Player waren langsam auf dem Vormarsch.
Ich war zu diesem Zeitpunkt gerade grandiose 18 Jahre alt. Ich hatte nette neue Freundinnen, die meinen Musikgeschmack leider nicht teilten. Ich war ab und an auf Plattenparties in Dorfturnhallen und in unser Dorfdisco im Nachbarort anzutreffen, was aber eher an den netten Freundinnen lag als an meiner Vorliebe für Aprés Ski-Mucke. Um dies angemessen durchzustehen, hatte ich ein statt-Vorglühen-Aufstyleritual. Ich gab mir also beim fertigmachen die volle Dröhnung meiner selbstgebrannten Prä-“Fortgeh”-CDs, bei dem mein meterbreiter Lidstrich gleich doppelt so gut flutschte, meine Crease sich gleich ein bisschen schwärzer schminkte und mein türkisgetönter Undercolor in vollem Glanz erstrahlte.

Die Scheibe, die mich in Verzückung gerieten ließ, als ich sie wiederfang, hat den philosophischen Namen “Sommer 2005”. Kommt mir, kommt mit mir ins Abenteuerland. Es gibt Relikte, die sind so viel wertvoller als goldene Schädel bei Tomb Raider.

Daddy Yankee – Gasolina
Bitte, wer kann dieses fantastische Stück der Musikgeschichte hören, oder mit dem Arsch zu wackeln? Das brauchte ich als Einstimmung auf Tanzmusik. Wie bei Sean Paul kann ich nicht anders, wenn ich den Song laufen habe: Ich wünsche ich mir ein nuttiges Röckchen und eine Stange. Nicht verschweigen will ich die Anekdote, dass mir mal Pudding übergekocht ist, weil MTV lief und ich plötzlich zu beschäftigt mit spanisch rappen und abdancen war. Nein, mir ist nichts zu peinlich.

Limp Bizkit - Eat you alive
Im Jahr 2000 war ich fanatischer Limp Bizkit-Fan. Die ersten drei Alben habe ich absorbiert. Vollständig. Als 2001 die VMAs in Frankfurt am Main stattfanden, war ich kurz davor, mit meinen 14 Jahren dramatisch von zu Hause abzuhauen und mich kreischend nach Fred Durst vors Studio zu stellen. Unglaublich, wie peinlich. Jedenfalls war ich 2005 rausgewachsen aus der Sache, erwachsen, volljährig. Ich habe jedenfalls das Video von “Eat you alive” gesehen und war sofort wieder bis aufs Übelste verknallt in Fred Durst. Schaut ihn euch doch nur an, gütiger Gott!

Tokio Hotel - Durch den Monsun
Sagt was ihr wollt, dieses Lied ist mein heimliches Laster. Ich find den Song einfach catchy. Er wird auch heute noch sehr gern lautstark im Auto mitgegröhlt, aber zum Parkkarte einführen im Parkdeck wird doch panisch leiser gedreht. Hier komme selbst  ich an die Grenzen meiner Peinlichkeit.

The Verve - Bittersweet Symphonie
Wer kennt es nicht. Nach einem Videoabend mit Eiskalte Engel hatte ich einen Ohrwurm. Schon beim ersten Hören auf der CD ging mir das Lied wieder tierisch auf den Sack und ich bereute es, die kostbaren Minuten auf dem Rohling vergeudet zu haben.

Ana Johnson – We are
Naja, wenn ich ehrlich bin, weiß ich auch nicht, was mich da geritten hat.

Evita - Don’t cry for me Argentina
Schulchor. Mehr muss ich nicht sagen. Wie hätte ich mir den Text sonst so erfolgreich ins Hirn pressen können? Mich verbindet heute noch eine Hassliebe mit allen Songs, die ich durch stundenlanges Üben im Chor nicht mehr mögen kann. All my bags are backed, I’m ready to go – denn dank diesen Songs kann ich nicht mehr on Sunshine walken. Kein Bacardifeeling mehr für mich und ganz Argentinien weint. I had to let it happen.

Wir sind Helden - Nur ein Wort
Ein Lied, das ganz Deutschland echt nett fand und das nach einem Jahr Dauerschleife jeden dazu gebracht hat, es zu hassen. Ich kann es nicht mehr hören. Ihr könnt es nicht mehr hören. Keiner will es mehr hören. Alle Singstar-Scheiben sind an dieser Stelle mutwillig zerkratzt worden, es ist ganz oben auf der Liste “Totgehört” und hat sogar bei den RTL-Chartshows Spielverbot.

Avril Lavigne – Nobodys home (unplugged)
Damals war ich noch bei AOL, die auch unpluggte Livesendungen mit verschiedenen Künstlern streamten. Ausversehen war Avril Lavigne auf meinem “Willkommen! Sie haben Post.”-Bildschirm zu sehen. Ich wollte sie ehrlich nur failen sehen und habe darauf gewartet, dass sie jemand mit ihrem ungespitzten Kajal attackiert und ihr die Krawatte um die Ohren schlägt. Zu meinem Erstaunen war der Auftritt doch ganz nett und verschämt habe ich mir dieses Lied auf eine CD gebrannt.

Sean Paul – Get Busy
Ich habe so manche SWR3-Dance Night gesprengt, weil ich die kleinen Bitchen von der Tanzfläche gefegt habe. So einfach ist das. Oder um es mit den Worten des Videohochladers zu sagen: SO KRASSES LIED!!!

Radiohead - Creep
Auch ein Klassiker, den jeder Teenie seelenschmerzig auf voller Lautstärke und in seinen Tränen schwimmend in seinem Zimmer gehört hat. Gute Laune vorm Partymachen macht der zwar nicht, aber so lange habe ich selten zum fertigmachen gebraucht.

Letters to Cleo – Here and now
Tja, erwischt – schon damals habe ich das gemacht, was ich jetzt auch tue. Sentimental alte Songs gehört und mich jung gefühlt. Und über die Klamotten gelästert. WAS DIE ANHATTEN! “Na, wie gut, dass wir heutzutage stilsicher sind und besseren Geschmack haben.” – sprach die junge Vivamaid, zog ein H&M-Schnürtop mit Trompetenärmeln an, trug zerschnittene Strumpfhosen an den Beinen und Lidschatten ohne Primer und fand sich auch ohne Highlighter und Blush im Gesicht superschön.

Na, wie habt ihr euer 2005 in Erinnerung?

Montag, 6. Juli 2015

Adios Amor

 

Es ist normalerweise nicht meine Art, über emotionale Themen zu schreiben.
Es gibt aber Dinge, mit denen muss man sich wohl auseinandersetzen, um sie zu verarbeiten.

Ich habe wohl wirklich Glück damit, dass ich trotz meines biblischen Alters so lange davon verschont geblieben bin – aber mir steht meine erste, große Trennung bevor.
Lange Zeit hab ich mit mir gehadert, Pro- und Contralisten erstellt. Viel zu lange hab ich es dann so treiben lassen - ich habe die Fakten ignoriert und mir gedacht, dass es ja eigentlich doch nicht so schlimm sei.

Aber ganz ehrlich.. so glücklich bin ich einfach nicht mehr.
Das Alter, die kleinen Schwächen im Alltag.. und ganz ehrlich - er frisst mir die Haare vom Kopf.

Ich werde meinen geschätzten El Flitzo verkaufen.

Es ist nicht mein erstes Auto. Mein erster war ein handsome Fiat Seicento, meine große Autoliebe. Ich habe ihn leider an ein Garagentor verloren. Er ist verschrottet worden, daher konnte ich es zwangsweise auch einsehen und mich leichter von ihm verabschieden.

Weil er eben noch so tadellos fährt fällt mir wirklich schwer, ihn abzugeben und einzutauschen gegen ein neueres Modell. Aber dank meiner weiten Arbeitswege bleibt mir fast nichts anderes übrig. Außerdem saß letztens eine kleine Spinne hinter dem Lenkrad. Jetzt muss ich ihn loswerden, bevor die Mutter nachkommt.

Liebster El Flitzo,
5 Jahre lang hast du mich treu begleitet. Ich habe dich und deine bereits vorhandenen Schlüsselkratzer gesehen und wusste: Du bist wie ich. Ein wenig geschunden und ein bisschen hässlich, aber man kann dich nur lieb haben.
Jeden Tag bist du zuverlässig angesprungen. Du bist marderresistent, hast einen Hirsch und einen riesigen Feldhasen überlebt. Gut, du verschleißt Scheinwerferbirnen wie andere Autos Durftbäumchen, aber jeder hat sein Laster.
120 km/h mit dir zu fahren war immer eine Freude, vorausgesetzt man steht auf den Sound von startenden Düsenjets und hat nicht vor, etwa Musik oder Podcasts zu hören.
Andere Leute bekommen gern einen elektrischen Schlag, wenn sie dich an der Beifahrertür betatschen.
Eine Fahranfängerin ohne Sinn für Ästhetik kann wirklich von viel Freude an dir haben, sobald sie sich von den ersten Weinkrämpfen erholt hat, weil die Kupplung so anspruchsvoll und gemein ist und sie zur Begrüßung 7 Mal den Motor abwürgt.
Du bist mein liebster Partner wenn es darum geht, blöde Fettkühe zuzuparken, die mit Absicht scheiße geparkt haben.
Deine Klimaanlage ist ein schönes Accessoire, die an heißen Sommertagen zuverlässig die Sommerluft auf angenehme 37°C (arschwarmer Kuhfladen) runterkühlt. Ich wünsche, dass deine Nachbesitzerin genau so viel Freude… oder ähm, genau so viel Schulterzucken (Besser als nichts) damit hat.
Ich habe dich gemocht, wie du bist. Ohne jegliche Sonderausstattung.

Home is, where your Müll ist – und mein Müll ist im El Flitzo!

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Montag, 20. April 2015

Scaryface

 

Ich habe 7 Tonnen Schminke und nicht genug Zofen, um meinen Bestand zu zählen.
Trotzdem schminke ich mich im Alltag gar nicht mehr. Wisst ihr warum?
Weil die Menschheit irgendwann verlernt hat, mein normales Gesicht zu ertragen.

Wenn man erst mal anfängt, sich jeden Tag auch nur ein bisschen aufzuhübschen (Mascara für die Albinowimpern, Concealer gegen die Augenringe, Puder gegen Speckbacken), gewöhnt man sich irgendwann daran, sich nicht mehr erschrecken zu müssen, wenn man an einem Schaufenster vorbeiläuft.
Das geht den Kollegen und Freunden aber auch so. Und wenn man einmal morgens verschläft, zu lange apathisch auf dem Klo sitzt oder einfach nur keine Lust hat:

“Oh Gott, wie siehst du denn aus? Ist was passiert? Geht’s dir nicht gut? Was hast du denn mit deinen Augenbrauen gemacht?!”

Prompt habe ich das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Oder ich fühlte mich genötigt, zuzustimmen - denn offenbar sah ich ja aus wie ein Pferdepo, da kann ich mir wenigstens eine Ausrede einfallen lassen. Wär ja auch zu peinlich, wenn mein normales Gesicht so entsetzlich wäre.
Ich muss mehrmals die Woche um 4.30 Uhr aufstehen. Natürlich sieht man dann auch nicht gerade aus wie auf den Out-of-bed-Fotos bei GNTM. Aber noch früher aufstehen, damit sich nicht alle sorgen? Oder gar nach dem Nachtdienst noch mal kostbare 5 Minuten für’s Abschminken brauchen? Im Ernst?

Ich habe mich also auf einen kalten Entzug begeben, der bestimmt schon 2, 3 Jahre her ist. Kein Schminkipupi mehr für die Arbeit. Ich habe meine Kollegen abgehärtet. Keiner erschrickt sich mehr vor mir, außer wenn es mir wirklich mal nicht gut geht, aber das lasse ich dann auch mal gelten (“Huch, ist dir schlecht? Du bist SO blass. Also, noch blasser. Du bist.. ENTFÄRBT!”).
Ich habe mich an meinen Anblick auch gewöhnt. Natürlich finde ich mich schrecklich, aber immerhin fühle ich mich nicht mehr so furchtbar wie nach solchen Huch-Oh Gott-Kommentaren.

Wenn einen die Welt nur in schrecklich kennt, ist man aber immerhin der Renner auf privaten Feiern und sonstigen Anlässen. Ein bisschen Mascara und so Kruscht und schon äußert sich jeder positiv.


… was einen dann aber natürlich wieder ins Grübeln bringt, ob man denn mit normalem Gesicht zu entsetzlich aussieht, dass ein bisschen Mascara und Concealer die ganze Welt jubeln lässt.

Montag, 2. März 2015

Willkommen im Kreis der anonymen Leecher


Hallo, ich bin Viva.
Ich mache meinem Namen alle Ehre und bin ein Schmarotzer.

Wenn ich mir etwas kaufe, ist es immer wohlüberlegt. Ich informiere mich, ich vergleiche, ich durchforste das komplette Internet. Manchmal recherchiere ich länger über ein Produkt, als dass ich Freude daran habe. 15 Internetshops mit 137 Produktvarianten meiner geplanten Anschaffung sind da noch die Untergrenze meines Ehrgeizes.

Dann, nach Tagen, manchmal sogar Wochen der intensiven, fast schon pathologischen Beschäftigung mit diesem einem Thema …  schmeiße ich frustriert das Handtuch. Weil ich mich einfach nicht entscheiden kann, weil ich mich damit selbst von dem Wunsch, das Produkt zu besitzen geheilt habe, weil die Entscheidung mir grad zu viel ist -  oder weil ich mittlerweile durch die nervöse Knibbelei keine Fingernägel mehr habe und mein Blutverlust durch die aufgebissene Unterlippe mir mein Hirn vernebelt.

Falls ich diesen Zustand überwunden habe und mich einige Tage regeneriert habe, kommen erneute Überlegungen auf.

Aber ganz objektiv betrachtet verlasse ich mich fast nur auf die Rezensionen. Auf die Bewertungen und Sternchen der Kunden. Auf die Erfahrungsberichte der Käufer und die Reviews auf verschiedenen Plattformen. DIE sagen uns das, was hübsch ausgeleuchtete Produktfotos, trockene Infos und schwärmerisch hingehauchte Beschreibungen in Onlineshops, die der QVC-Puppenstunde alle Ehre machen, NICHT tun.

Irgendwann bestelle ich mir dann mein glorifiziertes Objekt der Begierde, lobpreise die ganzen netten Menschen, die mir das ermöglicht haben, erwarte sehnsüchtig die Ankunft meines Päckchens.
Dann kommt die Lovestory des Jahres. Vollste Ergebenheit, langsames Kennenlernen, Vorstellung bei meinen Eltern.

Und dann.. war’s das.

Weil ich NIE, NIEMALS in meinem Leben einen Erfahrungsbericht oder eine Rezension IRGENDWO geschrieben habe. Obwohl sie mir das ausschlaggebende GO oder den Klaps geben, einen Einkauf zu tätigen oder zu lassen.
Egal wie zufrieden oder unzufrieden ich war, ich behalte es einfach für mich.
Jegliche Vorsätze, mein Verhalten zu ändern, verlaufen im Sand.

Ich bin schlimmer als 7 Brigittediäten zusammen.
ICH BIN EIN LEECHER.

Und alle laufen meinetwegen vielleicht ins Verderben. Kaufen sich beschissene Kameras oder Staubsauger, verlieren ihren Sinn im Leben und müssen in therapeutische Behandlung.

Alles nur weil ich faul bin.
Wie kann ich eigentlich Nachts noch ruhig schlafen?!

Montag, 9. Februar 2015

Show your Perfektness, don’t be menschlich

 

Ich habe die letzten zwei Wochen im Invalidenstand verbracht und hatte plötzlich Zeit. Viel Zeit. Und damit Langeweile. Und Zugang zum Internet.

Nach dem großen Blogsterben in meiner Blogroll hab ich mich auf die Suche nach neuen interessanten Seiten gemacht, querbeet durch jegliche Themen (ich habe doch gesagt, ich bin verzweifelt gelangweilt). In einschlägigen Foren fand ich nicht nur Tipps, sondern hauptsächlich gigantische Lästerwellen. Ich war also hellauf begeistert.

Es ist wohl nicht nur an meiner persönlichen Missgunst, aber offenbar bekomm nicht nur ich eine seltsame Gänsehaut, wenn ich eine absolut durchgestylte, überpefekte, blogtauglich getrimmte Frauenwelt sehe. Aber das ausgiebige Zelebrieren seiner überorganisierten Geilheit ist fast noch schlimmer, als überhaupt so perfekt zu sein.

Garniert wird das ganze mit beweisenden Dokumentarfotos.
Da hätten wir  “Chillen im Wohnzimmer” – Blick aufs minimalistisch leere Wohnzimmer. Ikeagerecht nachgebildet, leuchtende Dekozweige, kein Stäubchen auf dem polierten Möbelholz, drei perfekt arrangierte glänzende Schneewittchenäpfel auf dem Sideboard, perfekt zusammengelegte Kuscheldecken über den Sessellehnen. Nein, die eingerahmten Pärchenfotos in der Collage über der Couch gibt dem kühlen Zimmer trotzdem keinen Hauch Persönlichkeit. Auch die mundgeschnitzten Holzbuchstaben “HOME” machen es leider nicht heimelig.

”Schnelles Frühstück nach dem Morgenlauf, dann ab ins Büro” – hübsch garnierter Obstsalat. 17 verschiedene Obstsorten (nicht gewürfelt, sondern in gleiche griechische Gottheiten geschnitzt), fetter türkischer Joghurt (weil man natürlich nicht auf seine Figur achten muss, denn stundenlange Workouts sind so selbstverständlich wie pinkeln gehen), frischgeröstete Pinienkerne, Biohonig, gepflückte Blümchen als Garnitur drumherum gestreut. Daneben ein wertvoller philosophischer Schmöker und eine neckische Tasse mit stoffwechselanregendem grünen Tee, der mit “himmlisch duftend” beschrieben wird, aber bestimmt nach Bauernhofpup schmeckt.

“Mal eben für die Jungs einen Kuchen gebacken” heißt auf Backblogs nicht, dass Marmorkuchen in der Kastenform zählen würde. Nein, muss sahnigbuttrigperfekt sein. Der reichhaltigste Schokoladenkuchen ever, hauchfeine Biskuitböden mit noch feineren Zutaten. Traumhaft garniert mit selbstgeschnitzten Fondantblümchen, selbstgestrickten Schals aus Karamellfäden für die Schokotäubchen und mindestens 7 Tage durchgezogen sein, mit selbstgekochter Marmelade betupft, für das besondere “Etwas”. Dazu sind Feinschmeckerstücke auf solchen Blogs so herzlich, so blumig beschrieben, das mein Heuschnupfen sich meldet.
Ich muss mir dann immer vorstellen, wie die armen Jungs warten müssen, bis das Licht richtig fällt, der Kuchen im Ganzen abgelichtet worden ist (von der Seite, von oben, im Querschnitt), dann das einzelne Stück (oben, Seite, unten, Weitwinkel) und dann vor allem DER Close Up auf den langsam herabsinkenden Schokotropfen des weichen Kerns. Der Moneyshot der Bloggerszene. Wer will den schon essen, wenn er auch für Fotos geopfert werden kann? Die Jungs werden das Zeug auch angetrocknet essen.

”Gammelsonntaaaaag!”-Selfie auf Instagram sieht auch eher so aus, dass erst mal ein volles Ganzgesichtsmakeup aufgelegt wurde und mit legerer Ausgehkleidung kombiniert wurde. Den kunstvolle Bauernzopf hat man “nur so mal ausprobiert, ist nicht so schön geworden”, aber total perfekt und offensichtlich nicht zum 1. Mal probiert. Gammelfaktor over 200, wenn man unten noch die Lackhighheels aufblitzen sieht, mit denen man besser nicht auf Laminat gammelt. Dass jeder an diesem Sonntag gammelt bis auf Photoshop, muss man nicht erwähnen. Pickelchen werden kurz wegretuschiert, den Oberschenkeln wird mal eben ein kleiner Spinningkurs verpasst. Alles in allem sind Gammelsonntage bei Modebloggern offenbar fast so viel Rausputzerei wert wie die Hochzeit der besten Freundin bei Normalos.



So wenig Authentizität wirkt gekünstelt, unmenschlich und nach Plastikwelt. Das mag zwar perfekt als Bloggeridentität sein, aber Menschliche leidet darunter. Und das wird auch gern mal kundgetan, mal mehr mal weniger konstruktiv.

Sollen wir aber mal die andere Seite beleuchten?

Nehmen wir aber an, jeder ist ein Mensch, auch wenn es auf Instagram nicht so aussieht. Nehmen wir mal an, es gäbe eine Parallelwelt, wo alles ungeschönt und authentisch gezeigt werden würde.

Chillen im Wohnzimmer 2.0. Es sieht aus wie Sau. Ein Wäscheständer im Hintergrund, ein paar schmutzige Unterhosen auf dem Boden, die Katzen haben Tempos auseinandergepflückt und in die Ecke gespuckt und ach schau mal, da fliegt eine Staubmaus über den Boden.
”Igitt. Ich würde mich schämen, wenn es bei mir so aussieht.” – “OMG. Du bist schon xy Jahre alt, meinst du nicht, du solltest deine Wohnung sauberhalten können?!” – “Räum mal deinen Scheiß weg.”

Was wäre, wenn es morgens Fruit Loops mit Fanta Zero gäbe?
Dann wäre das Geschrei wahrscheinlich noch größer. “Wie kannst du nur? Du bist Blogger. Du bist ein Vorbild. Denk an deine Follower!!” – “Bist du noch ganz dicht? Das ist ja ekelhaft” – “Du weißt schon, dass du bald Diabetes bekommst?”

Wenn der Kuchen mal echt 08/15 wäre, oder einfach mal vom Bäcker geholt werden würde? Oder, Gott bewahre, mit einer Backmischung angerührt wäre, weil man kein Talent oder keinen Bock hat?
Dann kämen entweder keine Reaktionen oder das geheime Gemaule untereinander wäre gigantisch. ”Das ist ja total öde.  Ich will eigentlich mit sowas bei meinen Freunden angeben und die postet echt Rotweinkuchen.” – “Backmischungen?! Mein Gott. Die Mutter schämt sich bestimmt ordentlich für ihre Tochter.” – “Wie, du hast den Joghurtkuchen beim Bäcker geholt? Weißt du nicht, dass das alles nur noch Backshops sind und die echten Bäcker damit untergehen? Ich weiß nicht, wie du sowas unterstützen kannst.” – “Du bist doch erwachsen, du solltest echt in der Lage sein dein Zeug selbst zu machen.”

Die Gammelsonntage will ich gar nicht erst ausführen. Wer von uns würde schon ein Selfie hochladen, wenn man seit 2 Tagen nicht gekämmt ist, nachmittags um 16 Uhr noch im Schlafanzug rumläuft, die Augenbrauen aussehen wie die von Hagrid und man ein fleckiges Gesicht hat, weil die Katze einem ständig durchs Gesicht schleckt, weil man Erdnussflips gegessen hat? Ohne Filter? Ich glaube, kaum jemand. Nicht, wenn man im richtigen Gammelmodus ist.



Die Leute haben eigentlich gar keine andere Wahl, als ihre Perfektness aufrecht zu erhalten. Die Kritik ist einem ja immer sicher, aber jeder ist doch lieber überperfekt als schlampig. Wer will schon als “die mit den dreckigen Unterhosen auf dem Boden” in Erinnerung bleiben?

Mittwoch, 21. Januar 2015

Die Grenzen der Faulheit

 

Okay, Job, Ausbildungs- und Studiumszeug –  das macht ohne Druck, ohne Dead Line, ohne Panikattacken und Schweiß- und Weinausbrüche gar keinen Sinn. Wer käme auf die Idee, direkt nach der Veröffentlichung der Aufgabe direkt anzufangen. Da könnte man auch gleich von sich verlangen, eine Diät gleich jetzt anzufangen oder das Rauchen aufzuhören.

Manchmal wird man einfach erschlagen von der Faulheit, die einen zu einem herrlichen apathisch-paralysierten Klumpen werden lässt. Egal wie motiviert und produktiv man irgendwann auch mal war – man setzt sich und man entwickelt sich zurück zu einem Minirelaxo.

Ich meine nicht unbedingt sehr menschliche Dinge, wie z.B., dass der Abwasch sich stapelt würde, dass die Wäsche nicht zusammengelegt, sondern direkt aus dem Trockner angezogen wird, dass man lieber einen Döner essen geht, weil es so anstrengend ist, etwas aus dem vollen Kühlschrank zuzubereiten.
Es gibt da noch kleine, widerwärtige, peinliche Abart davon.
Man ist dann nicht faul, nicht stinkfaul, nicht phlegmatisch  – man inaktiviert sich einfach.

Das heißt nicht, dass man während dieses Zustands nicht irgendeiner Tätigkeit nachgehen kann, aber um diesen Trott zu durchbrechen, bräuchte man Energie. Und oh bitte, wo soll man denn so schnell ein Duracellhäschen herbekommen.

Man löscht einen kompletten Tweet (der übrigens einen Oscar verdient hätte), weil er 2 Zeichen zu viel hat und es _eindeutig_ zu viel verlangt ist, ihn neu zu formulieren.
Man sitzt im dunklen Wohnzimmer, weil irgendwann die Sonne untergegangen ist, aber naja, der Lichtschalter ist ja eben an der Wand.
Man steckt sich ganze frische Champignons in den Mund, weil man Hunger hat, sich aber noch nichts zu Essen machen will.
Man bewirft scheißbauende Katzen mit abgelaufenem Material aus dem KFZ-Verbandskasten, den man eigentlich aussortieren wollte, statt aufzustehen und sie ordnungsgemäßig auszuschimpfen.
Man bloggt, obwohl man eigentlich seit einer halben Stunde pieschen gehen muss, aber der Laptop ist schön warm und überhaupt bin ich gerade zugedeckt.

Ehrlich. Man kann noch so sportlich, motiviert, hyperehrgeizig sein, und sich gerade die schönste Dysmorphophobie antrainieren und anhungern (#fitandhealthy #nocalories #noNährstoffe #mitSkorbutdurch2015 #irgendwannbebloggeichauchdasmal), ES TRIFFT JEDEN IRGENDWANN.


Wie ich jetzt grad auf dieses Thema zu sprechen komme?
Ich habe gerade eine Doku über Helene Fischer angesehen, weil die Fernbedienung 1,5m weit weg liegt.