Sonntag, 2. März 2014

Bitch, please.


Jeder kennt diese Menschen, die den Begriff “Fishing for compliments” prägen. Kennt ihr auch die Abart davon?
Während man wegen knubbeliger X-Beine und winkenden Oberarmen, die einem Flughörnchen Konkurrenz machen selbst schlaflose Nächte hat und vor sich großen Events am liebsten in einem Fitnessstudio (wahlweise auch in einem großen Kühlschrank, je nach Verzweiflungsgrad) einschließen möchte, gibt es eben jene Mädchen, die einem in solchen Momenten als liebste Freundin zur Seite stehen. Solche, die dann nicht nur verständnisvoll nicken, sondern so “selbstkritische” Kommentare abgeben, dass man nur noch mehr Komplexe auf seine Liste setzen kann.
Sie meinen es vermeintlich gut, aber während ich knapp an einem Weinkrampf vorbeischramme, will ich keine pseudotröstlichen Kommentare hören, die mich zum Hulk werden lassen.

“Ach Quatsch, so dünn ist dein Haar doch gar nicht. Außerdem.. sei doch froh, mein Haar ist so dicht, bei mir halten keine Haarklammern!”

“Ja, die Modeindustrie ist echt die Hölle. Ich passe mit meinen großen Brüsten in keinen handelsüblichen Pullover! HALLOOO, es gibt halt nicht nur Hungerhaken! Manche Frauen haben Kurven, auch wenn sie nur Größe 32 tragen!”

“Du hast eigentlich sogar echt Glück, dass du Single bist. Ich mein, ist ja ganz schön mit dem Mann, hergeben will ich ihn auch nicht, es ist einfach so schön zu zweit und wenn man weiß, dass man geliebt wird (…) und so, aber manchmal vermiss ich das ja schon, einfach mal einen draufmachen zu können.”

“Du hast recht, man sollte auf Natürlichkeit setzen, Ich nutze ja auch keine Mascara, weil meine Wimpern sonst so lang und dicht sind, dass ich ständig angesprochen werde, ob ich Fake Lashes trage.”

“Ach, sei doch froh, dass dich keiner anspricht. Mir rennen ständig die Kerle hinterher, seit ich vergeben bin, das nervt echt total.”

”Dauernd starren mir die Leute ständig in den Ausschnitt. Ich werde regelrecht auf meine Brüste reduziert, nur weil ich die 15 obersten Knöpfe meiner Bluste geöffnet habe – sei du mal froh, dass deine nur so groß sind wie die Macarons im Vapiano. Du hast solche Probleme nicht!”

Sehen wir mal der Tatsache ins Gesicht: In unserer Welt ist es ein ungeschriebenes Gesetz, sich harsch zu kritisieren zu müssen. Das schlimmste ist aber, wer es nicht tut, der muss wenigstens so tun, weil alles andere unangenehm auffällt.
Es fällt aber noch unangenehmer auf, wenn sich jemand so SCHLECHT selbst kritisiert. Leute. DAS kauft euch wirklich keiner ab. Eigenlob passt so schlecht in ein Batmankostüm.

So sehr ich es auch hasse, es ist einfach so. Auch wenn ich total gegen den Selbstbashingstrend bin und finde, dass sich jeder sich sich so akzeptieren sollte, wie er ist, bekommt man gleich ein schlechtes Bild von jemandem, der sich selbst lobt.

Natürlich, für das eigene Selbstbild ist es besser, seine Vorteile herausheben zu können und das Positive zu sehen – aber verdammt, MEIN Selbstwertgefühl findet es scheiße, wenn mir langbeinige Schönheiten mit Riesenmöpsen diese vorführen.

Da ist das einzige, woran man festhält und was einen schadenfroh trösten kann, der riesige Pickel auf der Stirn ebenjener Freundin. Der irgendwann, irgendwo einmal erscheinen und sie in die Verzweiflung treiben wird.
Und wenn er kommt, haben wir auch mal einen Spruch auf den Lippen.
“Ach, ist doch nicht so tragisch. Ich meine.. ich wär froh, wenn mein Camouflage-Make Up mal zum Einsatz kommen könnte. Aber ich krieg fast nie so monströse Pickel, also muss ich meine Paletten weiterhin im Schrank lassen. Seufz.”