Sonntag, 15. Dezember 2013

Last Minute Weihnachtsgeschenke

Es gibt bestimmt einige da draußen, die nicht so vorbildlich sind und noch nicht alle Weihnachtsgeschenke für Freunde und Familie zusammenhaben, oder?

Erst mal: Pfui. Das ist immerhin das Fest der Liebe und ihr habt nicht genug Liebe, um sofort auf einen Schlag für 35 euch fest ans Herz gewachsene Menschen (dem eigenenVater, oder dem Briefträger zum Beispiel) tiefgründige, passende und detailgenau ausgestaltete Geschenke aus dem Ärmel zu zaubern, die unausgesprochene Wünsche verwirklichen?

Wenn das nicht so ist, ein Geheimtipp: Man kann immer noch einfallslosen 08/15-Schrott verkaufen. Und wofür noch vor einigen Jahren comicartige Porzellanelefanten mit einem “BE HAPPY!”-Schild im Arm aus dem örtlichen Kruschtelladen (für höchstens 5 Mark plus Packung Mon Cherie) herhalten musste, geht heute auch online und in Ausmaßen, die kein Mensch je zu vermuten gewagt hätte.
Ganze Webseiten beschäftigen sich mit der Suche nach Allgemeinheitsgeschenken – angepasst nach Alter, Beziehung, Geld und Anlass. Und man muss die Opfer nicht nur mit 5 Mark beglücken, sondern kann ihnen gleich hunderte von Euros in den Rachen stopfen für Sachen, die sie sich nie gewünscht haben, bzw. deren Existenz ihnen bis dahin unbekannt war!
Ein erster Probelauf: Die Väter
Papas wünschen sich nämlich nie etwas, weltweit. Papas haben eigentlich immer schon alles und winken nur ab, zucken die Schultern und schnauben vielleicht noch dazu. Ich hab mich richtig geärgert, dass ich die Geschenke schon zusammen habe. Der ganze Ärger umsonst!

Aber ich lasse euch nicht im Stich. Was schlägt also die allmighty Weihnachtsgeschenkesuchmaschine vor?
Neben dem üblichen Kitsch (gravierter Schmuck, mit Bildern bedruckte Dekoscheiße, bester Papa der Welt-Mist), den ich jetzt hier nicht erwähne, weil es vielleicht doch irgendwo Menschen gibt, die ihre Verwandtschaft am Schlüsselbund baumeln sehen wollen, gab es auch einige nützliche Sachen, die ich mal für euch herausgesiebt habe:
  • Eine freche Servierzange in Tatzenform. Eine kleine Schwester in einer neuen WG freut sich bestimmt darüber, aber mein Vater würde vermutlich versuchen, im Sommer damit Fliegen zu erschlagen.
  • Eine BRD-Süßigkeitenbox. Was mit DDR-Produkten noch Sinn ergibt, ist hier wohl nur dazu da, um die Schlecker Restbestände sinnvoll zu verwursten. Raffiniert!
  • Ein Teelichtkarussell mit Kristallanhängern – so voller Kitsch, damit kann ich vielleicht noch das neonfarbige Micky Maus Adressbuch mit den goldenen Seiten toppen, dass ich meinem Vater im Kindergartenalter zu Weihnachten geschenkt hab. (Ja, im Ernst. Und er hat es immer noch!)
  • Ein WC-Basketballset, falls das Weihnachtsmenü durchschlagende Wirkung haben sollte. Nichts für Mütter, die nehmen euch das krumm.
  • Eine große Fliegenpilzkinderleuchte. Falls ein 55 Jahre alter Mann sich mal wieder nachts nicht aufs Klo traut, weil vorher Poltergeist auf Kabel 1 lief.
  • Ein Edelsteinherz mit Ihrer persönlichen Gravur. Ich kann es mir schon lebhaft vorstellen: “Oh, mein Kind, das ist.. fantastisch! Das stell ich sofort zu meiner Edelsteinherzensammlung!”
  • Bandnudeln mit einer Textbotschaft drauf – so kann man schlechte Botschaften wie “Ich habe Schulden” oder “Mama lässt sich scheiden” durch die Blume überbringen!

Falls euch diese Anregungen aber nicht weitergeholfen haben sollten, schaut euch mal auf Youtube um. Da halten wieder einige Leute nichtssagende allerwelts Parfümeriesets in die Kamera, mit denen ihr semifremde Tanten bewerfen könnt. Und ihr habt etwas Gutes getan, denn die 2€ Provision pro Beutel sind ja auch quasi für einen guten Zweck.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

“StreetDance 3D” – Die verpasste Filmsensation des Jahres 2010

Oder auch: Facepalming 3D – Kopfschütteln war noch nie so lebensecht!

Urlaub haben und die neuen Sky Sender erkunden ist manchmal keine gute Kombination. Wisst ihr, ihr hab eigentlich eine recht hohe Scheiß-Toleranzgrenze, was Filme angeht. Ich kann nämlich ganz viel gut ertragen, wenn ich nur ein bisschen Zerstreuung brauche, wenn ich nebenher Haushaltskram erledige, häkele, Sachen sortiere oder so. 

Heute kam ich in den Genuss, den Höhepunkt der 2010er Filmindustrie näher zu begutachten.
Vermutlich werdet auch ihr noch nie davon gehört haben, aber es handelt sich um “StreetDance” (nicht in 3D, zum Glück.), ein britisches Meisterwerk mit ganz viel Dance und sehr viel Street.
Tanzfilme sind jetzt nicht gerade meine Lieblingssparte der Filmindustrie, aber hey, Center Stage und Dirty Dancing hab ich auch mal geschaut und ich war großer Fan der spanischen Telenovela “Un Paso Adelante” - dann kann das doch gar nicht so verkehrt sein, oder?

Ein kurzer Ausflug zur Handlung des Films: Carly, die blonde Hauptdarstellerin, ist mit Jay zusammen. Sie tanzen in einer Crew, die sich Jay20 nennt. (Riesen Pluspunkt für Jay, es ist mir immer gleich supersympathisch, wenn jemand ganz bescheiden seine Gruppe nach sich selbst benennt.) Dieser verlässt jedenfalls die Gruppe und seine Freundin, die daraufhin die Gruppe leitet, es total verkackt und den Proberaum verliert (Schock!).
Nach einem bisschen Blabla, Stress und Drama proben sie nun in der örtlichen Ballettakademie – und müssen einige der Ballettschüler mit durchschleifen. Natürlich läuft das alles auf einen höchst wichtigen Wettbewerb hinaus, den die Crew gewinnen will, was natürlich nur dadurch gelingt, dass sie erstaunlicherweise StreetDance und Ballett vereinen.
Sagt bloß, euch kommt der Plot bekannt vor?
Vielleicht.. Save the Last Dance 4.0 mit noch lahmerer Story?
(Selbstverständlich geht NICHTS ohne die obligatorischen Lovestorys, aber die lasse ich mal weg.)

Und der Film ist genau so lahm und vorhersehbar, wie man ihn sich vorstellt.
Wodurch kann er punkten? Durch die absolut unsympathischen Darsteller! Und dadurch, dass man so unglaublich viel über die Londoner Street Dance-Szene lernen kann!

  • Alle tragen immer Turnschuhe und Cappies. IMMER. Und Baggies. Aber nur, wenn man grad nicht sexy aussehen muss, dann trägt man so gut wie nichts.
  • Alle sind immer total Aggrobitchig drauf und schauen so angeekelt, als ob sie gerade das Katzenklo saubermachen.
  • Alle sprechen mit jedem (!) über alles (!) in diesem abfälligen “Jaaah, siiiicher, sie wollen mir doch sicher nur eins reindrücken, weil ich schwarz bin!”-Ton.
  • Keiner ist schwarz.
  • Außer die armen Friseusen mit billigen Synthetikklamotten, die im Einkaufscenter für Geld tanten müssen.
  • Alle Mädchen machen in ihrem normalen Alltag ständig Ausfallschritte und breitbeinige Gangstermoves zur Fortbewegung, auch während alltäglicher Besorgungen.
  • Blonde, zierliche Minimädchen aus gutem Hause bewegen sich und sprechen, als seien sie eine Ghettobraut aus der Bronx, wiedergeboren im Körper eines magersüchtigen Albino-Belugwalbabys.
  • Diese zierlichen Minimädchen wiegen ca. knapp 40kg und sprechen trozdem abfällig über Balletttänzerinnen, an denen “nichts dran” ist, die aber den doppelten Taillen-, Oberam- und Oberschenkelumfang haben.

Falls ihr die Chance habt, den Film zu sehen – das müsst ihr nicht, ich hab euch alles erzählt.
Aber ihr könnt euch vielleicht den Trailer anschauen, damit ihr das Belugawalbaby begutachten könnt, denn einen Lacher kann man doch immer mal gebrauchen.

Sonntag, 24. November 2013

Woran man merkt, dass man alt und spießig wird.

Was ich euch jetzt erzähle, ist kein düsteres Geheimnis.
Ich bin nicht nur ein verkappter Hippie, der sich anderthalb Meter nach der Türschwelle den BH vom Leib reißt, ich bin seit meiner Geburt ein heimliches Hausmütterchen.
Spätestens seit meinem Abo der "modernen Hausfrau" im Jahre 1997 war es für meine Familie offensichtlich; meine Vorliebe für Kochsendungen hatte ich schon in der Grundschule, tm3 war damals neben Tele5 mein Lieblingssender und wenn ich nach der Schule nach Hause kam, hab ich erst mal Avenzio eingeschaltet. Aber auch in der Jetztzeit ist mein ausgeprägtes Faible für Küchengeräte, Gadgets, Kram und Kruscht auch nicht gerade gut zu verheimlichen, wenn man sich die Küchenschränke anschaut, die aus allen Nähten platzen.
Ich reiße entzückt die Augen auf, wenn ich irgendwo Backzubehör entdecke, ich wünsche mir einen Kartoffelstampfer zum Geburtstag, ich kaufe mir sinnvolle Sachen für den Haushalt, ich sammle Kochbücher (Meine GU-Reihe wartet auf ihre Vervollständigung. Bücherregale verstopfen wie noch nie!).
Seit ich eine Küche habe, die größer als 1,5qm ist, hat sich die Situation noch zugespitzt. Ich koche zwar schon immer gerne mein Essen, aber jetzt backe ich für andere Brot, ich schabe Spätzle, ich rolle Klöße, ich backe Kuchen und mäste damit andere Menschen (Ihr dürft mich gern Molly Weasley nennen).
Das alles kann schon zu einem guten Teil leicht beunruhigend, wenn nicht sogar ein bisschen erwachsen wirken. Ich glaube, ich bin alt geworden. Und gesetzt. Und spießig. Ich bin jetzt 26. Kann man gleichermaßen wie eine 42 Jahre alte Hausfrau agieren und dabei über seine eigenen Witze lachen, bei denen selbst die 14 Jährige Großcousine facepalmt und sich für einen schämt?
Wenn ich mir aber Menschen meines Alters in meinen weiteren Bekanntenkreis, bei Facebook oder “im Internet” an sich so anschaue, wohnt ein Viertel noch bei den Eltern, steht aber voll im Berufsleben; ein anderes Viertel studiert noch oder ist in der Ausbildung und macht Party all night long und denkt nur bis zum nächsten Bafög; und die andere Hälfte hat gefühlte 8 Kinder, ist verheiratet und stolze Hausfrau und Mutti der besten Minimenschen bei Happy Family GmbH.
Ganz ehrlich? Für mich ist das alles absolut und vollkommen undenkbar und der absolute Horror. Für mich steht damit damit der Beweis: Schlimmer geht es immer.

Jedes Mal, wenn ich wieder ein Gejammertes a la “Oh noez, noch so viel Monat am Ende des Geldes übrig” lese, kriege ich akuten Brechdurchfall. Denn die Partynight im schwäbischen In-Club mit 25€ Eintritt zwei Tage vorher hat ja sein müssen, genauso wie die H&M-Bestellung, die man in 5€ Häppchen überweist, damit man keine Mahnung kassiert.
Manche fahren einen Neuwagen, top gepflegt, wöchentlich gewaschen und gewachst, gehen 2x pro Woche zur Maniküre, gehen zum Coiffeur (!!!) … aber lassen sich noch von der Mama die krumpeligen Blusen bügeln und die Unterhosen waschen. Wieso denn ausziehen? So bleibt mehr von meinem exorbitanten Gehalt übrig. Das hab ich mir verdient, denn immerhin hab ich studiert. Gern gehört: “Und außerdem - meine Eltern freuen sich! Die machen das gerne!” (Diese Sparte geht übrigens auch gern mit Kategorie 1 in den schwäbischen In-Club um dort mit  irgendwelchen Menschen zu zwielichtigen DJs abzudancen. Die haben aber immerhin die Kohle dazu.)
Bei vielen läuft das anders. Die nächste Motivtorte für die Kindergarteneinschulung ist für 8 Wochen das Thema Nummer 1; die Herbst-Wohnungsdeko wird ausführlichst in 3 verschiedenen Facebookmuttigruppen besprochen. Das Lieblingshobby (Neben Deko, Motivtorten ohne Geschmack aber viel Motiv und Minimenschen) bekommt ein Fotoalbum mit dreistelliger Füllzahl und dreht sich rund um das Thema – PUPPENHAUS. Vielleicht habt ihr davon schon gehört. Es wird ein nacktes Holzpuppenhaus gekauft, renoviert und der Werdegang wird detailliert fotografisch festgehalten. Wände werden per Hand mit Strukturtapeten verziert, jeder Dachziegel mit der Pinzette aufgesetzt und die Designerlampen mit MikroLEDs im Puppenwohnzimmer mit Uhrmacherwerkzeug verlegt. Es ist genau so spannend, wie es klingt. (Wenn ihr auch schon einmal dabei habt helfen müssen und dann dafür böse angemotzt worden seit, wie grobmotorisch und zerstörerisch ihr den Teppich im Puppenkinderzimmer verlegt, meldet euch, ich würde mir gern viel darüber von der Seele sprechen.)
Was mich auch schockiert? Wenn plötzlich nicht mehr der neue Gebrauchtwagen das Thema der Weiberabende ist, sondern die kirchliche Hochzeitsfeier und die Suche nach dem perfekten Hochzeitskleid und der passenden Tischdeko, und dass man ja nicht das Budget im 5 stelligen Bereich überschreiten möchte… wenn’s geht. Aber was sein muss, muss sein, man heiratet ja nur einmal.
Mich geht das ja alles nichts an. Aber: Heilige Scheiße. ICH möchte diesen Teppich nicht kaufen!
Jeder soll es wirklich so machen, wie er glücklich wird. Leben und leben lassen. Ich gammle weiterhin im Internet herum und versuche mich nebenher als Tante Hertha zur Hausfrau des Jahres gewählt zu werden.
Aber bitte, versucht mir nicht zu erzählen, dass nicht trotzdem jeder den anderen insgeheim  mit ein bisschen gerunzelter Stirn anschaut und denkt:  “Die lebt ja nur für die Arbeit, sonst hat sie ja nichts”, “Ein bisschen mehr Selbstständigkeit könnte dem ja nicht schaden, was weiß der schon vom Leben”, “Hat die überhaupt noch ein eigenes Leben?” oder schlichtweg “Für MICH wär das ja nichts”?
Woran man merkt, dass man alt und spießig wird? Daran, dass einem die anderen trotzdem immer noch schlimmer, spießiger und älter vorkommen natürlich.

Montag, 16. September 2013

Ach, warum nicht?

Das sollten wir alle nämlich viel öfter sagen.
Die unausgesprochene Frage, die mir Frauenzeitschriften nämlich immer subtil stellen, ist: “Was stellt ihr euch denn alle so an?”
Ich weiß nicht mehr so recht, wie das passiert ist, aber mich erreichen aus unerfindlichen Gründen diverse Newsletter von Brigitte, Glamour und so weiter. Normalerweise lasse ich solche Mails ja im Posteingang liegen, bis meine ungelesenen Nachrichten wieder im dreistelligen Bereich sind.. aber meine Hoffnung, dass sie sich alleine kompostieren und etwas sinnvolles daraus entsteht, ist mit den Jahren ein bisschen gesunken. Damit will ich sagen, ich versuche Ordnung zu halten, meine Damen, und habe deswegen auf “Lesen” geklickt.
Was habe ich eigentlich die ganzen Jahre nur verpasst? Grandiose Dinge, die mich den ganzen Nachmittag amüsiert haben, fand ich dort. Echt jetzt.
Die Highlights?
Ich bitte euch. Als ob ich die jemandem entgehen lassen würde.

Montag, 24. Juni 2013

DROGERIE HAUL

Nach sehr, sehr langer Zeit habe ich mir ein Beautyvideo auf Youtube angesehen. Warum genau, kann ich euch auch nicht sagen.

Wahrscheinlich hat mich einfach die überwältigend interessante Thematik und den sorgsam ausgewählten, neugierig machenden Titel so in den Bann gezogen, dass ich nicht anders konnte - es handelte sich nämlich um ein besonderes Goldstück der Schminkiwelt:
Ein Haul.
Ein Drogeriehaul.
Verzeihung, ich meine natürlich: Ein DROGERIE HAUL.
Ich meine: Welcher gefühlsarme Emotionstrampel bekommt da denn keine bedeutungsschwangere Gänsehaut?

Gepostet wurde dieses Video einer Youtuberin, die so gut wie ausschließlich High End-Make up benutzt. Und wir reden von Dingen, die so High End sind, dass es eher in Richtung Open End geht und somit außerhalb meiner Wahrnehmung liegt. Aber hey, mal schauen, was es so Tolles gab, vielleicht empfiehlt sie ja tolle Tampons oder Hühneraugenpflaster.

Wir steigen ein mit einigen Nagellacken. Unterlacke, Oberlacke, Mittellacke, Pseudogelnägellack, Rillenfüller.. die volle Bandbreite des Drogeriesortiments.
Unter anderem einige Produkte mit der Begründung: "Ich habe gehört, ihr benutzt alle so gerne den Topcoat von Essence, und weil sie da nun die Formulierung geändert haben und ihr den nicht mehr so toll findet, dachte ich, geh ich mal auf die Suche nach einem Ersatz."
Oh. Ich meine, das ist ja furchtbar nett, aber.. wieso? Offenbar HAT betreffendes Mädchen ja keine Tragödie mit diesem speziellen Topcoat hinter sich und sucht selbst Ersatz, sondern kauft das Zeug einfach mal so. Vielleicht versteh ich das einfach nur nicht, es steht sicher nur im Zeichen der Weltverbesserung. Captain Planet!

Das nächste Highlight: Kaufmanns Kindercreme. Ja, wer hat und kennt sie nicht. Eigentlich wurde die vor langer Zeit für wunde Babyhintern benutzt (übrigens sicher eine schlechte Idee, tut das bitte keinem Arsch der Welt an), Mitte/Ende der 90er wurde sie dann zur Lippenpflege schlechthin für alle Mädchen.
Das hat sich offenbar bis heute nicht geändert, denn ebenjene Youtuberin, die zur Elite der YT-Menschheit gehört, wollte diesen Geheimtipp UNBEDINGT austesten. Denn: "Vielleicht ist das ja ein günstiges Dupe zum Lipbalm XY!" (Welches sicher einen Grammpreis im zweistelligen Bereich hat und einen so hochtrabenden ausländischen Namen hat, dass ich nicht nicht mal in Kinderenglisch niederschreiben, geschweige denn verstehen kann)
Okay, schauen wir uns die Sache mal objektiv an: Die Suche nach günstigen Alternativen ist sehr löblich - aber sich vorzustellen, dass ein Pott parfümierte Vaseline die gleichen Höchstleistungen erbringt wie ein Lipbalm, der vermutlich aus durch Bananenblätter gefiltertem und mit Hyaluron versetztem Pottwaltsperma gefertigt wurde, handgerührt von dressierten Langarmbienen in Jamaika.... das ist doch ein bisschen arg positiv gedacht.


An dieser Stelle habe ich dann mal aufgehört.
Ich bin vermutlich einfach zu unneugierig, um sowas nachvollziehen zu können. Mein Drang nach Neuentdeckungen hält sich auch in Grenzen. Und ich bin zu vernünftig, um Sachen zu kaufen, weil ich sie will, auch wenn sie mir nicht passen, nicht zu mir passen, ich die anderen Produkte dieser Reihe auch nicht mochte, bla bla.
Und wisst ihr, was das Schönste ist?
Ich bin keine Youtuberin und muss das zum Glück auch nicht, weil ich keinen pienzenden, fordernden 14 Jährigen mit einer Schwäche für Capslock irgendwas schuldig bin. Es kann einem dann so herrlich scheißegal sein, wenn sich irgendjemand nur Schminke vom Kik leisten kann und davon ne Review will.
Wobei: Wenn man eine Schwäche für irrationale HAULS hat, ist das natürlich der löblichste Beweggrund, den man vorschieben kann.

Montag, 18. Februar 2013

Ich hab die Beautyinnovationsmesse verpasst

Ich bin jetzt schon länger nicht mehr so wirklich "drin" in der Beautyszene, lese kaum noch Blogs, geschweige denn, dass ich YT-Videos schaue. Das einzige, was mir ab und an mal unterkommt, sind bei Twitter verlinkte Artikel und Bilder - und da merke ich jedes Mal, wie wenig ich up to date bin.

Bei der Hälfte der absurden Beautygadgets kann ich persönlich mir nicht vorstellen, dass das kein schlecht durchdachter Witz ist. Haben die Leiter der Innovationsabteilungen zusammen einen lustigen, feuchtfröhlichen Abend verbracht und darauf gewettet, wieviel Kohle sie durch die Neugierde vieler Pubertierenden einnehmen können?

Nehmen wir mal eine LED-Mascara, die man gut und gerne als Laserpointer verwenden könnte. Was bei Katzen funktioniert, funktioniert bestimmt auch bei jungen Mädchen!
Mal ehrlich, wer von euch schminkt sich denn wie oft am Tag seine Mascara nach? Im Dunkeln? Beziehungsweise brennt sich mit dieser strahlendhellen LED-Leuchte freiwillig Löcher in die Netzhaut, während er tuscht?
Dasselbe in Grün: LED-beleuchtete Lippenstifte und Lipglosse. Auch das mag ja wirklich nett gemeint sein, aber ich konnte das einmal live auf QVC oder HSE24 betrachten: Das Licht kommt in einem geballten Glücksbärchistrahl aus dem Gehäuse geschossen und macht schlimmere Schlagschatten als ein Lagerfeuer. Und sieht auch genauso unheimlich aus.

Im ersten Moment scheinen sie wirklich nützlich: Lippenstifte mit Spiegel. Leider denken 70% der Hersteller nicht so weit, den Spiegel auf dem Deckel anzubringen, sondern kleben diesen auf die Lippenstifthülse, die man beim Benutzvorgang in der Hand hält. So, und jetzt halten wir einen Moment inne und überlegen, ob das so nützlich ist. Ich kann jedenfalls nicht blind meinen Lippenstift konturengenau und sicher auftragen. Da nützt es mir auch nichts, wenn ich danach in den Spiegel blicke und darüber kichern kann, dass ich aussehe wie der Joker.

Zur Zeit offenbar auf allen Augen (und Wangenknochen, Dekolletés und Fußböden) - aufklebbare Silikonlidstriche. Für ein geklontes Grüppchen Barbies vielleicht eine tolle Sache, die müssen ja auch nicht blinzeln. Aber für Menschen mit unterschiedlichen Augenformen doch wohl größtenteils zum Scheitern verurteilt. Ich hab das zugegebenermaßen nicht ausprobiert, aber ich stell mir das auch vom Tragegefühl sehr unangenehm vor. Außerdem: Hallo? Wir sind Schminkblogger, die teilweise 45€ für einen Lidstrichpinsel ausgeben, da kleb ich mir doch kein Plastik in die Fresse. Und  unbedarfte Leute, die mit einem Kajal und einer Mascara glücklich sind, würden sich damit wohl eher einen Mikroschnauzbart kleben.

Vor allem in LEs verbreitet sind Glitzerpuder, Glitzerstäube und Glitzerflitter in allen Formen, Farben, Aggregatszuständen. Ich rede nicht von Highlighter, sondern wirklich von Glitzerpartikeln so groß wie Monaco. WER kauft sowas? Außer Olivia Jones jetzt?
Vor allem wird das Zeug nicht sparsam entnehmbar im Töpfchen angeboten, sondern mit fetten Puderquasten oder noch viel besser - in dekadenten Sprühfläschchen im Parfümlook mit Puff dran. Muss ich mir so vorstellen, dass der Durchschnittsteenie sich am Morgen zwischen den Outfitvarianten "Schlichtes Trägertop", "Romantisches Spitzenoberteil", "grobgestrickter Poncho" und einer Schicht massiven Glitzers entscheidet?

Ich bin so alt, ey.