Samstag, 5. Mai 2012

Underdressed, Overschminkt, Fehlamplatz

Hauptsache ist, man fühlt sich angestarrt.

Ich tendiere ja seit jeher dazu, dass ich mir immer gern einbilde, dass einer der Punkte aus der Überschrift auf mich zutrifft.
Natürlich vorrangig, wenn ich nicht weiß, wer oder was mich bei Veranstaltung X erwartet und ich mich dann "ins Blaue hinein" richten muss.

Jeder kennt diese weibertypischen "Was ziehst du an?"-Teenietelefonate oder (noch schlimmer) Kinderzimmermodenschauen, wie sie in etlichen amerikanischen Serien und Filmen zu genüge dargestellt wurden.

Ja, liebe Menschheit, sowas macht man in der Jugend tatsächlich, wenn auch in abgeschwächter Form.
Nein, das macht man nicht, weil einem der H&M-Umkleidespiegel fehlt, der einem zeigt wie scheiße die Hose am Arsch sitzt und man deswegen eine ehrliche Freundin braucht.
Nein, man macht das auch nicht, weil man selbst so viel weniger Ahnung vom Klamotten kombinieren hat und deshalb unbedingt Unterstützung braucht (weil man das niemals zugeben würde, indem man eine von der Freundin ausgewählte Klamotte anzieht)
Nein, man macht das auch nicht, weil einem das Aufräumen am nächsten Tag so Spaß macht.
Man hat das gemacht, damit man nicht alleine der Idiot ist.

Je intensiver man sich mit seiner BFF über das Thema "Was ziehen wir an" auseinandergesetzt hat, je genauer man abgesprochen hat, was wer wann anzieht, desto geringer war die Chance, dass man womöglich als einzige als fehlgeleitete Cyndi Lauper auf der Ballermannparty auftaucht. Dann war man zumindest zu zweit. Das war zwar genauso unangenehm, aber hey, geteilte Arschkarte ist halbe Arschkarte!

Heute ist das zwar ein bisschen anders, aber die Angst, "der Depp" zu sein, ist immer noch unterschwellig vorhanden.
Dank Hipstertum sind hässliche Klamotten zwar an der Tagesordnung, doch auch wenn manche Mädels durch unvorteilhafte Schnitte aussehen wie ein hüftlastiger Cinderellakürbis, kann man sich sicher sein - die fühlen sich nicht so. Eher noch fällt man mit schlichter Langeweile negativer auf, als es ein geplatzter Modemuffin je könnte - denn die "trauen sich was" und haben sich "schick gemacht". Hell yeah.
So kommt es also, dass man sich, sobald man nur mal eine Knopfreihe mehr als sonst trägt, angestarrt und mega aufgedonnert vorkommt - und sobald man in gemütlicher und bekannter Schlichtheit unter die Leute geht, sich underdressed, hässlich und bauerntrampelig fühlt.

Und die beste Freundin ist dazu da, damit man damit man mit diesem Problem - egal welcher Natur - nicht allein ist.
Und wehe der Dame, die nach langer Vorausberatung in anderen Klamotten auftauchte, als angekündigt. Dann ist der Höllenschlund aber offen!


Ich bin nicht so im Modestrudel gefangen wie der Großteil der Bloggerinnen - und daher auch mit größter Ignoranz (oder je nach psychischer Stabilität auch mit absoluter Instant-Unsicherheit) dem gegenüber beschenkt.

Was ich dafür aber gut kann: Overschminken - und dafür angestarrt werden. Besonders in Kombination mit eben erwähnten underdressed-hässlichen Bauerntrampelklamotten kommt die volle Dröhnung an schwarzbunter Make-Up-Klatsche besonders gut zur Geltung, auch gern bei dezenten Anlässen.
Das, meine Lieben, macht mir aber tatsächlich seit einigen Jahren wirklich nichts mehr aus. Ein bisschen extravagante Beknattertness hat sich wohl jeder verdient.

8 Kommentare:

MoMa hat gesagt…

toller post :D vor allem "hüftlastiger Cinderellakürbis" und "geplatzter modemuffin" ^^

Mercury hat gesagt…

Es beginnt ja, wenn man die bluse ganz zu macht (wenn man denn mal eine finden konnte, bei der das auch bis oben hin möglich ist) und darum ein satinschleifchen macht. da kommen die wildesten sachen "oooh du hast dich ja heute schick gemacht!" - "hast du heute geburtstag?"

wobei mir noch nie aufgegangen ist, warum man geburtstag haben soll, wenn man nett angezogen ist.
meist tendiere ich zu langweiligem in schwarz und zu viel dunklem lidschatten.

so modezeug und was ziehst du freitag an hab ich nie mitgemacht. ich war noch nie in einer disco und früher eh ein tomboy.

Awareness hat gesagt…

xD du sagst es.
BTW ich liebe deinen Schreibstil :)

Alice hat gesagt…

Gut gebrüllt, Hummel. Ich bin da übrigens Ürinzessin A*loch höchstpersönlich, denn selbst wenn die beste Freundin fragt "Was ziehst du an?!" lautet meine Antwort konsequent "Weiß noch nicht." Kann nix dafür, dass die weder Stil noch Ahnung hat, will allein wie der letzte Depp aussehen... oder eben glänzen. Bin ich ein Biest?

Ego hat gesagt…

@Alice: Willst du darauf wirklich 'ne Antwort?

Fräulein Viva, Ihr neuster Erguss ist ein wahrer Ausbund an Beobachtungsgabe soziokultureller Strukturen gepaart mit einer journalistischen Präzision, die ihresgleichen sucht. Chapeau! (Nungut, um ehrlich zu sein finde ich Hüte sehr schön, traue mich aber nicht, sie tatsächlich zu tragen.)
Diese "Was ziehst du an?"-Geschichte scheint bei mir jetzt erst zu beginnen. In Teenagerzeiten habe ich nämlich konsequent auf die Underdressed-Karte gesetzt. Bis auf Kajal und Mascara entdecke ich Schminke auch erst jetzt langsam für mich. Sodass mir sicher noch viele viele tatsächliche und noch viel mehr eingebildete Überschminktmomente bevorstehen. Hach, ich kann's kaum erwarten. Nicht.

Anonym hat gesagt…

Ich bin ja eh chronisch overdressed...
In der Neunten mit weißer Bluse, schwarzen Samtblazer und rotem Lippenstift zur Klassenweihnachtsfeier?
Hell yeah!
Mit Freundinnen habe ich mich auch noch nie abgesprochen, muss meinen japano-Fimmel selbst ausleben, obwohl ich mir doch irgendwie einen Shiro-Lolita-Twin wünsche^^
Durch Lolita und Gyaru sind überrüschte Klamotten und/oder Ziemliche Mengen Kriegsbemalung für mich schon so alltäglich, dass ich bei "Events"(furchtbares Wort eigentlich) eine Steigerung im Sinne von herausputzen nur erreichen kann, indem ich dann eben absolut overdressed bin...
Trotzdem bewundere ich eher geplatzte Modemuffins als hüftlastige Cinderellakürbisse denn besser nicht mehr gewollt aber gekonnt(oder auch nicht mehr gekonnt aber auch gar nicht gewollt) als gewollt aber nicht gekonnt.
Da kann ich nur sehr frei(sprich, sinngemäß, so wie es halt noch in meinen Hirnwindungen klebt) Horst Evers zitieren:
Je mehr Möglichkeiten, desto größer das Gefühl der Freiheit-natürlich nur solange man die nicht nutzt. denn nachher klappt es nich und man fühlt sich vielleicht noch zu doof.
Dieses Gefühl des *ich tu's nicht, aber wenn ich wollte, so wirklich wollte, dann könnte ich aber, aber hallo wie ich dann könnte* ist eben die größte Freiheit!
In diesem Sinne
Miaow!

Merlindora hat gesagt…

cooler post! und das war wirklich ganz schlimm wenn die freundin dann mit was anderem als angekündigt gekommen ist!

Psychopüppi hat gesagt…

Extrem guter Beitrag, ich mag dienen Schreibstil^^
Und Beknatterness ist das neue Wort der Woche für mich XD

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