Sonntag, 18. September 2011

Le Frisur

Nächste Woche steht ein offizielles Event an und ich sollte ziemlich gut aussehe.

Ich bereite mich schon minutiös darauf vor, stelle in Gedanken schon mein Schminkikram zusammen, habe einen vermutlich deprimierenden und streitschürenden Shoppingtermin arrangiert.
Was noch fehlt, sind die perfekten Haare.

Wer meinen Blog schon länger liest, weiß, dass ich kein wallende Traummähne mit mir rumschleppe. Ich versuche aber trotz krauser Locken, mir eine gewisse Länge zu verschaffen (Quantität statt Qualität, das lenkt ab!), was nur unter der Prämisse Abstinenz aller Styling- und Hitzegeräte gelingt.

Wo wir bei dem Dilemma "ziemlich gut aussehen" und "Stylingenthaltsamkeit" angelangt wären.

Was tun? Man arrangiert sich mit dem, was man hat, und versucht aus dem vorhandenen etwas nettes zu basteln.
In meinem Falle wäre das ein professioneller Haarschnitt bei einem Friseur.




Nach zwei Jahren hingeschluderten Selbst-Trimms von einem bis drei Zentimetern dann und wann, ist es Zeit für eine Kontur vom Profi (weil ich selbst bemerke, dass meine linke Seite so langsam wirklich deutlich länger ist als meine rechte).

Mit meiner Freundin und einer kleinen Abfüllung Shampoo im Gepäck gehe ich angstvoll zum Billigfriseur, weil die erstens zeitlichen Kapazitäten für viel Pipapo, zweitens keine Lust auf großen Aufstand von weinenden Mädchen im Laden, und drittens keine finanziellen Spielräume haben und deshalb für ihre 15 Euro genau das machen, was sie sollen.
Eine Kurspülung für trockenes Haar lehne ich ab, aber die zielstrebig ausgesuchte Friseurin mit polangem Haar versucht mir wirklich nichts aufzuschwätzen. Nett. Bei meinem letzten Friseurbesuch 2009 hatte ich die Kur schneller auf dem Kopf, als ich das dritte Mal in Folge sagen konnte "NEIN DANKE, ICH BENUTZE NUR NATURKOSMETIK" und die Schnitte nur mit "Du siehst aus wie ein explodierte Fusselball!" konterte.

"Was darfs sein?" - "Spitzen. Zwei Zentimeter. Gerade Kante. Allerhöchstens drei, wenns sonst nicht seitengleich zu schneiden geht." Ich seufze und setze dann an zu meiner obligatorischen Erklärung "Ich weiß, es müsste etwas mehr ab, aber mir reicht das, ich..", aber sie fällt mir ins Wort: "Okay, kein Problem! Ich mach das schon!"
.. Oh. Okay? Soll mich das beruhigen oder misstrauisch machen?
Meine Agentin Undercover schleicht sich von hinten an, inspiziert alles genau und sagt laut und vernehmlich (wie abgemacht, wir smarten Spitzmäuse!): "Hast du schon gesagt, dass du die Spitzen willst? ZWEI ZENTIMETER? Nicht mehr? Höchstens drei? Sie ist da nämlich ganz heikel, wissen Sie." (Smart sind wir, aber schauspielern tun wir leider echt scheiße.)


Die polange Schnitte lächelt nur, nickt, zeigt mir eine Strähne vorm abschneiden und deutet wirklich nur zwei Centimeter an und bittet um Einverständnis. Sie kämmt, schnippt drei, viermal mit der Schere, und vier Minuten später habe ich eine gerade Kante und eine gestufte Ponysträhne.
Fertig.

Sie zeigt mir die Pracht von hinten und ich sehe nichts. Keinen Unterschied. Eine Kante. Keinen exorbitanten Längenverlust. Nur mein Haar, wie ich es kenne, ohne die zu langen Fussel dazwischen.

Ich könnte sie knutschen.
An der Kasse denke ich nichtmal, wie schade es um die 15 Euro für einmal Kopfmassieren und schnippschnipp ist, sondern bin nur froh.
Wie lang das schon her ist, eine Friseurkasse ohne tränenverschleierten Blick gesehen zu haben?
"Sechs Euro bitte." - In Gedanken reiche ihr die bereits rausgesuchten 15Euro hin, zögere kurz beim Realisieren des gesagten und stutze.
"Jaa, komm! DAS bisschen Pony und Kontur! Und dein Shampoo hattest du auch selbst dabei. Da rechne ich dir doch nicht den vollen Preis an, ich bitte dich!"

Ich bin verliebt.

16 Kommentare:

Isadonna hat gesagt…

Das freut mich ♥ Es gibt also doch noch nette Frisöre! Bzw. solche, die 2 von 20 unterscheiden können^^ Meinem Frisör habe ich das nun auch anerzogen. Sonst krieg ich meine Haare ja nie mehr lang :D

Pastellfee hat gesagt…

Das hört sich nach einem tollen Friseur an! Ich gehe auch meist in günstigere Läden und lass mir die Haare da trocken schneiden. Meine nassen Haare vertaue ich keinem an, dazu bin ich zu empfindlich, von nass-die-Haare-Bürsten krieg ich Kopfweh. Kürzer als ich gesagt habe, wurden meine Haare aber noch nie geschnitten, da bin ich sehr froh, dass mir das immer erspart wurde

T. hat gesagt…

Schöne Geschichte.
Ich wär nicht mal auf die Idee gekommen, mein eigenes Shampoo mitzunehmen..umso besser, dass es dadurch viel weniger gekostet hat.

Tía hat gesagt…

Behalte sie! Gib sie nie mehr her! :)
Wie traumhaft, dass sie genau das gemacht hat, was du wolltest, sowas gibt's leider nicht allzu häufig.

Hatte selbst bisher nur 2 Mal so ein Ergebnis (in ungefähr 7 Jahren mit mehr oder weniger regelmäßigen Besuchen beim Friseur). Bei mir haperts auch immer an der Umsetzung von "Länge beibehalten" und "leichte Stufen". Irgendwie versteht da jeder was anderes drunter, deshalb hab ich mir auch angewöhnt jeeeedes Detail deutlich zu erklären :D

Aber deine neue Liebe mag ich echt. Auch dass die den Preis angleicht find ich super :)

Manu hat gesagt…

Wow... ich bin geplättet. Ich zahle nur für schneiden 17 Euronen. Bei einem Heimfrisör, sprich saubermachen muss ich danach auch selber. Aber sie kennt halt meine Haare und meine Wirbel und das ist es mir wert.

LG

beautyjagd hat gesagt…

Ach, das hört sich doch gut an! Ich kenne dein Problem nur von freundinnen. Denn ich bin voll das Gegenteil mit meinen kurzen Haaren und habe keinerlei Angst vor Längenverlust. Ich muss bei meiner Friseurin immer darauf dringen, dass genügend runter kommt, nicht dass ich in zwei Woche schon wieder hin darf ;).

Arie hat gesagt…

Tolle Friseuse!

Viva hat gesagt…

Ich werde definitiv nur noch zu ihr gehen. Und bei 6 Euro kann ich sogar zweimal im Jahr gehn! :D

Das ist ein Mysterium der besonderen Art. Bei Kurzhaarfrisuren schön lang lassen, damit die Kunden nach 3 Wochen wieder dastehen und bei langen Haaren mal eben 10cm absäbeln, weil..? Warum? Das macht doch keinen Sinn.

Ich glaub nicht, dass das mitgebrachte Shampoo die Ersparnis schlechthin gebracht hat, ich hab das nur gemacht, weil ich sonst wahnsinnig viele Schuppen von manchen Shampoos bekomme *hust*

Shiva hat gesagt…

Schön, dass das so gut bei dir klappt! :) Bei mir hat leider noch nie ein Friseur verstanden, was Spitzen bedeutet, egal, wie viel ich am Ende bezahlt habe …

Chinda-chan hat gesagt…

Na dann: Herzlichen Glückwunsch! ;-)

Schundliteratur hat gesagt…

Ich bin auch echt froh meinen Friseur gefunden zu haben und wirklich nur das geschnitten wird was ich will, aber mein eigenes Shampoo mitzubringen hab ich mich noch nicht getraut ://D
6€ is echt nen Schnäppchen!

Anonym hat gesagt…

Ich habe auch eher das umgedrehte Problem. Ich weigere mich öfter als zwei Mal im Jahr zum Friseur zu gehen, weil ich zu geizig bin für Spitzenschneiden so viel Geld auszugeben. Meine Haare sind lang und glatt und nerven tierisch, wenn sie eine bestimmte Länge überschritten haben. Und dann trauen sich die blöden Friseure nicht was abzuschneiden. Ich sage 10cm und sie schneidet höchstens 5-6 cm ab. Ich sage "Sie sind die Expertin, gucken sie sich die Haare an und was ab muss, kommt ab." Was schneidet sie ab? 2cm! Keine Fragen, oder?

Also Viva, festhalten und nicht mehr loslassen.

MoonlitOcean hat gesagt…

Ich will auch einen Friseur, der macht was ich will. :(
Meiner bastelt mir da immer irgendwelche Stufen rein, die ich gar nicht haben will und schneidet statt 3cm mindestens 10 ab. -.-
Aber Glückwunsch, hoffentlich bleibt die dir noch lange erhalten. ;)

Viva hat gesagt…

Moonlit - und dann ist er noch dein Friseur?! :/ Ich würd nicht mehr hingehn. Da wo ich unzufrieden war, geh ich auch nicht mehr hin.. was dazu führt, dass ich bisher seltenst einen Haarschneidekünster zweimal gesehen habe. :D

Chi hat gesagt…

Ich hatte ja schon immer eher unschöne Begegnungen mit Frisören, aber das Erlebnis, das ich letzten Monat in Vietnam hatte, ist echt nicht zu toppen. Ich war bei meiner vietnamesischen Familie zu Besuch und wollte mir eines Tages dort die Spitzen schneiden lassen. NUR die Spitzen. Meine Haare fand ich nämlich abgesehen von den kaputten Enden total super. Um sicherzugehen, dass der Frisör und ich uns nicht missverstehen (mein Vietnamesisch ist nicht ganz so gut), hatte ich extra noch meine Tante mitgenommen, die ihm erklärt hatte, dass meine Haare nur um paar cm kürzer werden sollten. Er nickt, setzt einen professionellen Blick auf und während ich in einem Magazin blättere, schnippelte er an meinen Haaren rum. Ein Fehler, wie es sich rausstellte...
10 Minuten später - der Frisör war gerade mit der linken Seite fertig - wagte ich einen Blick in den Spiegel und traute meinen Augen nicht. Meine Haare gingen vorher bis zur Mitte der Brust, und jetzt ging die kürzeste Haarsträhne nur noch bis zum Kinn! Ihn zu bitten, aufzuhören, kam aber auch nicht in Frage, weil die rechte Seite ja noch komplett ungeschnitten war und es dann erst recht beschissen ausgesehen hätte. Also musste ich in den sauren Apfel beißen und ihn auch noch die andere Seite machen lassen...
Als wäre es nicht schon schlimm genug, hielt er mir alle 2 Minuten stolz den Spiegel vor und fragte mich, ob es mir denn gefiele! Und das Schlimmste : Er sagte mir, dass er sich bei meiner Frisur "von Bananenblättern inspiriert" wurde!!! Da war ich echt kurz davor, ihm in die Fresse zu schlagen -.- Meine neue Frisur sah nämlich wie folgt aus:
http://img801.imageshack.us/img801/8634/unbenanntfyj.jpg
Da lob ich mir deutsche Frisöre, die schneiden schlimmstenfalls nur zu viel ab...

Jule hat gesagt…

Hach, ich bin nicht die einzige mit Friseurtrauma... Eigentlich will ich schon seit Wochen zum Friseur. Meine Naturkrause verlangt eine bestimmte Stufung, damit es halbwegs nach was aussieht. Aber ich trau mich nicht hin. Nachher geht wieder was schief. Aber zum Billigfriseur würde ich persönlich nie wieder gehn. Ich war einmal und danach war die eine Seite länger als die andere.

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