Dienstag, 1. März 2011

VivaTV - Die Reportage: Fasching aus der Sicht einer Antialkoholikerin.

Ich komme vom Land.
Vor kurzem war - noch weiter auf dem Land, in einer Turnhalle in einem Dorf mit 200 Einwohnern - eine Faschingsparty.
Und da bin ich hin.



- Die Verkleidung
Clowns.
Ich weiß nicht, wies anderswo ist, aber hier sind seit eh und je Clowns der Renner. Wahllos wird jedes Kleidungsstück n einem speziellen, lokalen "Clown"-Gemuster produziert. Röcke, Stulpen, Kopfbedeckungen. Mein Gott, sind wir individuell.
Der Renner war auch: Nonne (5x), Mönch (6x), und Natalie vom Babystrich (213x). Wobei ich aber nicht weiß, inwiefern letzteres Absicht war.
Ich war übrigens in normaler Kleidung unterwegs; ein weiter Rock, ein Carmenoberteil, ein als Kopftuch missbrauchter Schal, ein wenig politische Inkorrektheit und fertig ist eine schwarzmagische Instantzigeunerin mit Tendenzen zu dramatischem Make Up.
Und, das Highlight; mein scheppernder Bauchtanzgürtel. Bei jedem Schritt hats geläutet, als hätte ich eine Herde Kühe in der Tasche.


- Die Musik
Ich liebe Musik.
Einen Teil liebe ich wirklich; zu einem anderen Spektrum tanze ich liebend gern, und eine sehr große Bandbreite ertrage ich eben noch gerade so, ohne plätschernd mein Abendessen von mir zu geben. Dazu gehören größtenteils auch Apres-Ski-Hits, Pur und Wolfgang Petry.
Ich tanze auch gern. Shake shake shake/Natalie vom Babystrich-Moves zu Chartzeug, Hip Hop und Atzen-was-weiß-ich-für-ein-Tingelingeling gehn eigentlich klar.
Aber sobald jemand den Discofox zu DJ Ötzi auspackt, ist bei mir der Ofen aus.
In einer übervollen Turnhalle, mitten auf der bedampften, sehr überfüllten Tanzfläche blöd und verklemmt rumzustehen, ist ja schon ein No-Go. Aber ich finds viel schlimmer, schwenkend, lachend und weit ausholent Discofox zu tanzen. Mit Drehungen und Pirouetten im Umkreis von 3 Metern, inklusive dramatisch ausgestreckten Armen. Wenn man als Zuschauer aus so ner Nummer ohne blaues Auge rauskommt... derjenige hat meinen vollen Respekt.


- Das zur-Seite-schieben

Die spezielle Fortbewegung in einer Menschenmenge im Laufe eines Abends:
23 Uhr: Vorsichtiges durchschieben und Lückensuchen, ab und zu ein entschuldigendes Lächeln.
0 Uhr: Hand auf den Rücken legen, leicht zur Seite scheiben. (Das mag ich eigentlich ganz gern, das ist so lieb. Ich weiß, ich bin seltsam. :D)
3 Uhr: Stumpfes Draufrennen.
4 Uhr: Hand auf den Arsch, feste schieben und dann einfach nicht mehr wegnehmen, dabei ohrenbetäubend "Walking on sunshine" schmettern.


- Die Begegnungen

Nicht nur, dass einem in der Heimat Leute über den Weg laufen, die man kennt, nein.
Man trifft auch Leute, die man einfach schon wieder vergessen hat.

"Heeeey! Naaaaa?!"
- "Hi..?"
"Wie gehts dir?"
- "...gut, danke.. und, öhm, dir?"
"Super! Was machst du eigentlich hier, ich dachte, du bist weggezogen?
-" Ja, bin halt nur zu Besuch.. hm."
"Ja, und, wie läufts so? Erzähl doch mal!"
- "Oh, ja, alles super.. du ich muss.. also.. öhm.. da ist.. bis später"

Drei Meter weiter, drei Sekunden später, Gespräch mit meiner Freundin:
"Warum warst du so unfreundlich zum Christian?"
- "Wer?"
"Na, der Chris! Von eben! Dabei war der doch voll nett"
- "Kennst du den etwa?"
"Der war 4 Jahre mit uns in einer Klasse?!"
- "Wir hatten einen Christian in der Klasse?"


Alternativ auch kurz neu geschlossene Bekanntschaften:
Ein Bursche springt einem in den Weg, umfasst einen um die Taille, schleudert einen einmal nach rechts und links und schmettert dabei auszugsweise den Hit "TRAUM VON AMSTERDAM, DEEEER DIE HOFFNUNG NAHM!! ... ALLEIN IN AMSTERDAM!", und springt weiter durch die Menge. Hinterlässt meist ein Fragezeichen, ein fassungsloses Prusten und ein Schleudertrauma.


- Das Ende und die Grabscherei

Schlimm wirds dann erst, wenn irgendwann die Musik ausgeht und immer noch verzweifelte Leute umhergeistern, die noch keine abgekriegt haben. Panisch grabschend wird nochmal versucht, irgendwo kostengünstig in der Nacht unterzukommen oder zumindest die erkalteten Hände wiederaufzuwärmen. Dies führt oft zu panisch davonscheppernden Zigeunerinnen, hab ich mir sagen lassen.

Aber das möchte ich jetzt an dieser Stelle nicht weiter ausführen.

5 Kommentare:

freezy hat gesagt…

ich bin positiv überrascht, als ich 'antialkoholikerin' gelesen habe, dachte ich, jetzt kommt extremes alkoholkonsumenten-bashing und eine hasstirade darüber wie debil sich doch karnevalswütige aufführen.
viva, you're cool!

freezy hat gesagt…

bist du eigentlich schon wach oder hat blogger den post für dich freundlicherweise reingestellt ^^?

MyOne hat gesagt…

:) deswegen meide ich Fasching meistens oder hab gaaanz viele Freunde um mich rum, damit mich keiner angrapscht, oder wenn, das es jemand ist, den ich kenne, und der das noch eher "darf" :)

Mooseman hat gesagt…

Lol, kommst du aus der selben Gegend wie ich? Hier rennt jedes WOCHENENDE so ab, nur fehlen dann die Nonnen und die Clowns. Natalie vom Babystrich ist dennoch immer dabei, klar.

Aber das ganz mit Schlagern und anbandelnden Herren.. wundervollt! Einmal im Jahr kann man sich dem stumpfsinn ruhig hingeben..

Und nun alle.. "Traum-von-Amsterdam..!"

ps: ich hab auch immer dieses "Wtf, wer war das´" Gefühl. Immer.

Viva hat gesagt…

freezy, sowohl als auch. Ich habs automatisch online stellen lassen und ich war bereits einige Stunden wach und arbeiten. :D Ich Fleißhummel, ich.

My, manchmal sind sie einfach so verblüffend schnell!

Lora - ich glaube nicht, dass die Regisseure von Natalie damals wussten, dass sie eine ganze Generation damit prägen und beeindrucken. :D

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