Donnerstag, 24. März 2011

Dye, dye my Darling

Juchhe, es ist Haarfärbetag!

Der Kampf beginnt schon im Drogeriemarkt.
Intensivtönung oder Coloration, und vor allem von welcher Marke?? Und welche Konsistenz wird durch welchen Applikator gepresst?
Schoko, Cappuccino, Haselnuss, Espresso - nein, das ist keine Karte von Starbucks, das sind Farbtöne. Panisch hält man nach einer groben Vorauswahl vierzehn Kartons in verkrampften Fingern, um haargenau und akribisch jeden Nuancenunterschied von "Braun" zu erfassen und zu analysieren. Kühl, gülden, sonnig, rötlich, schimmernd!
Man vergleicht schwitzend und fingernägelknabbernd die "Ergebnis"-Farbabbildungen und reiht Karton an Karton - obwohl man genau weiß: Der Farbton auf dem Karton hat vermutlich nichts mit dem zu tun, was letzten endes auf meinem Haar verbleibt und deshalb null Aussagekraft. Wir wissen das.. und trotzdem können wir es nicht lassen.
Eigentlich will ich ja nur einigermaßen neutralisierendes "Dunkel", aber.. diese Töne, diese Namen, diese Ausleuchtkünste!

Hat man sich für einen Farbton mit peppigem Namen entschieden ("Madagaskar", "Schokofrappe", "Elefantendung"), setzt man sich in freudiger Erwartung ins Auto und kann es eigentlich kaum abwarten, endlich im Bad zu sitzen - Veränderung! Neuer Lebensabschnitt! Absolutes Makeover! Man verschwindet quasi sofort in einer fernen Gedankenwelt und sieht sich schon mit wallender, schillernder, glänzender Mähne und einem Johnny Dep am Arm einen roten Teppich endlangschwe.. ähm, nein, natürlich nicht. Wer tut denn sowas? Ist ja absurd!
Während der Autofahrt lässt man sich noch diverse Färbepannen durch den Kopf gehen. Da wäre Karottenrot, Hennafleckgrün, das Blondorange...
Zu Hause angekommen, wird erstmal am Küchentisch der Karton auseinandergepflückt und die Bedienungsanleitung analysiert. Aufs feuchte Haar damit, ok. 20 Minuten einwirken - geht klar. Spülung hinterher - kein Problem. "So einfach wie eine Haarwäsche!" - Super Sache!


Nur bedarf es einiges an genau geplanter Vorbereitung. Ich für meinen Teil schmeiße mich erstmal in Schale.
Jogginghose, die ich zum Streichen angezogen habe - Check!
Altes "Böhse Onkelz"-Shirt - Check!
Ausgewaschendes Handtuch, welches aussieht, als hätte ich damit seit Mitte des 19. Jahrhunderts Gold in Amerika ausgesiebt - Check!




Haare nass, Haare rubbeln, Tübchen quetschen, Fläschchen schütteln.. und dann panisch schnell loslegen. Wir alle wissen ja, das Zeug reagiert nur eine bestimmte Zeit miteinander und färbt während diesen Zeitraums - danach nicht mehr. OMG, schnell, schnell!
Die Auftrageprozedur ist stets gleich und doch so anders. Ist man alleine, geht gerne mal fast der Spiegel zu Bruch - und hat man Hilfe, dann ists die Freundschaft zur helfenden Hand. (Es gibt Menschen, die haben eben eine empfindliche Kopfhaut!)
Ich hätte es nie geglaubt, aber allein geht mir das Colorieren besser und schneller von der Hand. Ich seh dann zwar aus, wie frisch vom Biwak, aber die Prozedur ist so wirklich viel stressfreier (den hole ich meistens dann nach, wenn ich bei der Inspektion vergessene Flecken am Hinterkopf entdecke).


Die Wartezeit hingegen ist mit Gesellschaft um einiges angenehmer. Benebelt von den giftigen Dämpfen lacht es sich um einiges ungenierter mit Gesellschaft über die banalsten Dinge (und meistens räumt die helfende Hand auch den schmodderigen Müll zur Seite, weil ich ohne Sehhilfe nichts sehe). Ich persönlich schwöre übrigens auf die Marsmännchenmethode per Mülltüte oder Aluhaube auf dem Hirn, die mich nicht nur supersexy aussehen, sondern die Farbe auch noch intensiver wirken lässt (angeblich).
Bis zum Herauswaschen vergehen schier endlose 20 Minuten (ich neige übrigens dazu, ganz nach "viel hilft viel" die Einwirkzeit eigenmächtig zu verlängern). Aufs Ergebnis warten ist eine nervenzerreissende Angelegenheit - wie kommt der kühle Madagaskargoldschimmer mit Schokohaube auf meinen Borsten raus? Wie hübsch auf eine Skala von megaheiß bis granatengeil werde ich aussehen? Und was zum Henker soll ich zu meinem Date mit Johnny anziehen?

Beim Ausspülen entferne ich eine Ladung Magendarmgrippe von meinem Kopf. So siehts zumindest aus (und riecht GsD nur bei Henna wie Rota-Stuhl nach exzessivem Spinatgenuss!) und ich saue endgültig bis zur Zimmerdecke das Bad ein. Egal, die Vorfreude ist groß genug, um das beiseite zu wischen!

Ich spüle. Und spüle. Und spüle. Schnarch. 

Nachdem das Wasser klar ist, gönne ich meinem Haar die beiliegende Spülung - das Böse im silikonbasierten Aprikosenmilchgewand. Es kommt mir vor, als ob meine strapazierten Borsten nach der Behandlung das einfach brauchen, um wieder einigermaßen vorzeigbar zu sein .. mit NK-Spülung komm ich nach Colorationen einfach nicht weiter. Aber aufgrund einer Silikonbombe alle halbe Jahre entsteht ja kein Build Up, selbst wenn Superman persönlich ihn mir in die Mähne massiert.

Schon während des entwirrens zerre ich alle meine Spiegel vors Fenster, um das Ergebnis zu sehen. Ich föhne nicht - also würde ich am Liebsten zwei Stunden auf dem Fensterbrett ausharren, um ja nicht den Moment zu verpassen, in dem mein güldenes Madagaskar-Schokobraun zum Vorschein kommt. Alternativ renne ich alle 5 Minuten zum Spiegel und begutachte mich.


Und jetzt seid ihr alle gespannt, ja? Wie wird sie nur aussehen? Wie gut steht ihr der Schimmer? Wahnsinn, diese Spannung! 
Ich hatte zuvor in den Längen recht ausgewaschenes "aus Versehen"-Schwarz, dann kam 6cm "aus Versehen"-rötliches Hellbraun, danach kam mein echtes, naturreines, finessen-loses Aschbraun.

Sie sind gleichmäßig dunkel geworden - juchhe! 
Scheiß aufs Schokohäubchen, vergiss den Madagaskarschimmer oder den kühlrotgoldnen Unterton .. was zählt ist die Erleichterung, ein weiteres Mal davongekommen und ganz ohne friseurliche Hilfe dem Blondorange entgangen zu sein.



12 Kommentare:

DysfunctionalKid hat gesagt…

Grandiose Geschichte - hab übrigens grad genau dasselbe getan, nur mit Schwarz ^_^

Rea hat gesagt…

BWAHAHAHAHA, das könnte ich sein beim Färben. UND GENAU SO sehen meine Haare vorher aus - leider haben meine Haare nachher immernoch einen Rotstich. Feststellung außerdem: ich habe 2cm blonden Ansatz (straßenköterblond) und brauch eine schöne dunkle Haarfarbe.... welche hast du benutzt? :D

Ich mach mir aber meist das Farbtonvergleichen einfacher, in dem ich mir direkt eine Marke raussuche, von der ich die Farbe will. Alle andern lasse ich pauschal außer Acht, so muss ich quasi nur fünf Brauntöne vergleichen, von der mir eine erfahrungsgemäß nichts bringt (ieh, aschbraun), drei nicht gefallen und die andere ist IMMER ausverkauft. Yay!

Viva hat gesagt…

Ich habe leider nur eine Intensivtönung benutzt, und zwar "Dunkelbraun" von Movida. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass sich alle dauerhaft colorierten Brauns sowieso in ein rötliches Mischmasch auswaschen - und von dem her kann ich gleich intensivtönen, ganz ohne Ammoniak und mitinbegriffene Trips.
Ich hab leider auch noch einen leichten Rotstich drin, aber das herausstechende helle Kastanienrot ist GsD überfärbt und neutralisiert. (Das "Hellbraun" neutralisiert übrigens toll Rotstiche!)

Chinda-chan hat gesagt…

*lol*

Jaja, das Haare färben... ich habs ja normal einfacher, weil ich immer schwarz färbe (und ich hab schwarze Handtücher ;-D), da ist eigentlich überall gleich. Aber letztens, da hab ich von irgendso einer Marke ein Ultra-Black endeckt, die haben ein normales Schwarz auch noch, da war ich etwas ratlos... aber ich vertrete ja die Haltung "Es KANN nicht schwarz genug sein!!!" und habe die Ultra-Black mitgenommen, yeah! :-D

(Leider oder eher Gott-sei-Dank!!! hab ich letztens erst nachgefärbt und die Farbe ist mir NICHT aus den Haare gefallen... (bei mir hält Haarfarbe leider schlecht, also es geht überhaupt nur die 3er Stufe) *auf Holz klopf*)

Lisi hat gesagt…

Sehr unterhaltsame Erläuterung der Prozedur, die ich noch nie mitgemacht habe. Ich traue mich an meine naturblonden Haare nicht mit Farbe ran aber anscheinend habe ich da auch nicht viel verpasst.
Aber Spaß beim Lesen hatte ich, danke :)
Liebe Grüße, Lisi

Fräulein Flauschig hat gesagt…

bei mir gehts schnell: in schlecker,rossmann oder dm rein: PolyPalette in Schwarz.Färben.Fertig :D
zum glück mus sich mich bei schwarz nur zwischen schwarz und blauschwarz entscheiden xD

Lavie hat gesagt…

Habe das auch gerade erst hinter mir. Das CassisBraun, das mir die Packung versprochen hat, ist leider nicht dabei rausgekommen. Es ist reinweg rot und hat so ungefähr 0% Braun mit drin. Es sieht schrecklich aus. Also kein Date mit Johnny Depp für mich. ;)

Viva hat gesagt…

Selbst als ich noch schwarz gefärbt habe, habe ich mich schwer getan, mich zwischen den Schwarznuancen zu entscheiden - Schwarzbraun, Schwarz, Reines Schwarz, Carbonschwarz, Rotschwarz, Blauschwarz, Zartbitterschwarz.. :D

Lavie, Cassis habe ich Jahre lang genutzt (Movida natürlich! :D) und war immer begeistert vom violettrot. Aber Braun kann man da wirklich nicht entdecken.

Himmlisch hat gesagt…

lustige geschichte! :o) hab mich absolut wiedererkannt! (in meinen alten, bunten zeiten)

kriegen wir denn ein foto von der unifarbenen mähne?

Caipiii hat gesagt…

das mit "einwirkzeit eigenmächtig verlängern, weils dann besser wirkt" kommt mir noch sehr bekannt vor :D

Marilyn van Hell hat gesagt…

WOW; sooo genial-lustig geschrieben! kommt mir alles bekannt vor. Ich find deinen Blog übertoll!

Liebe Grüße
Ma

egokonsumkosmos hat gesagt…

Hach, mal wieder ein Fest der Eloquenz.
Und mir kommt das alles sooo bekannt vor - die Qual der Wahl im Laden, das "lieber alleine färben, auch wenn man dann ungefärbte Flecken riskiert" (zur Sicherheit begutachte ich meinen Hinterkopf nach dem Färben nicht allzu genau, nur ein kurzer Check, ob ganz krasse Unterschiede, die jeden auf der Straße hinter meinem Rücken in heilloses Gelächter ausbrechen lassen könnten, vorhanden sind), länger einwirken lasse ich grundsätzlich (bei Chemie meistens 'ne Stunde, bei Henna gerne mal 12), auch wenn ich nicht weiß, ob das überhaupt großen Einfluss hat und die spannungsgeladene Erwartung des Ergebnisses... jaja.

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