Samstag, 12. Juni 2010

Hörbuch: Shalom Auslander - Eine Vorhaut klagt an

Heute: Hörbücher!

Auf langen Autofahren mag ich sie besonders: man kann sich trotzdem noch auf die Straße konzentrieren, fühlt sich aber optimal unterhalten.
(Wenn ich sie nämlich zum Einschlafen höre, fehlt mir immer die Hälfte, ich muss die Dateien durchforsten, nach der Stelle, an der ich weggepennt bin.. aber das nehme ich in Kauf. Das kenn ich ja noch von meinen Bibi Blocksbergkassetten)


Dieses Buch ist von einem Autor mit einem Namen, bei dem ich zuerst dachte, es wär ein lustiges Pseudonym. Ist es nicht. (Ich hab mich dann auch sehr schlecht und vorurteilbelastet gefühlt.)
Es ist von Shalom Auslander und trägt den sehr obskuren Namen "eine Vorhaut klagt an.

Ein Hörbuch, unter dem ich mir gar nichts vorstellen konnte, wo den Autor nicht kannte, welches eine unbekannte Themenwelt anschnitt... skeptisch und mit einer Stirn, die aufgrund ihres Runzelgrades jeden Botox-Dealer und Schönheitschirurg in juchzendes Frohlocken ausbrechen hätte lassen, habe ich das Hörbuch begonnen.

Um was geht's?

Amazon sagt genauer folgendes:
Aufgewachsen in einem vollkommen abgeschotteten jüdisch-orthodoxen Umfeld in New York, hatte Shalom Auslander sich den religiösen Gesetzen unterzuordnen, seitdem er denken kann. Über allem thronte dieser Gott, der ihn nicht verstand und ihm seine Jugend zur Hölle machte. Schokoriegel, Comics, Pornos, das alles führte geradewegs Richtung Untergang. Noch heute legt er am Schabbat lieber zwanzig Kilometer zu Fuß zurück zu einem Eishockeyspiel, statt ein Taxi zu nehmen. Doch nach dem Spiel gibt's dann, aus Rache, einen XXL-Hot Dog, extra unkoscher. Eine Vorhaut klagt an ist seine große Abrechnung mit Gott. Furchtlos böse, schockierend wichtig und unglaublich unterhaltsam.


Ich kenne mich mit der Materie gar nicht aus. Weder Judentum, Amerika, noch Juden in Amerika.
(Meine einzigen Kenntnisse beziehen sich auf "Hey Arnold", wo Harold in einer Folge einmal hebräisch lernen musste und auf einen meiner Denise-Groschenromane aus den 80ern.)

Ich hab mir das Hörbuch angehört.. und fand es toll.
Meine Güte, ich hab soviel gelernt, teilweise richtig heftig gelacht - und war manchmal so schockiert über die große, weite Welt des Judentums und der Strenge dahinter. Niemals hätte ich mir das träumen lassen, dass ein so großer Rattenschwanz an Geißelung dahintersteht.
Vielleicht hat man mal vom Hörensagen von koscherem Essen gehört, ja.. was aber alles dazugehört - da hörts schon wieder auf. Von den verschiedenen Segen für jede Art von Essen abgesehen.

Ich will wirklich nicht zuviel Inhalt verraten, deswegen ganz allgemein:
Der Autor hat's drauf. Wirklich. Er bringt soviel Wissen rüber, ohne zu ernst zu wirken oder zu langweilen. Er begeht ernste Themen mit einer Leichtigkeit, die es "leicht verdaulich" macht - und zwar ohne alles auf Teufel komm raus ins Lächerliche zu ziehen.

Der Sprecher hat eine sehr sympathische Stimme (ich kannte ihn bisher nicht), bringt Witze dermaßen trocken, ernst und genial rüber, dass es wirklich eine Freude ist, ihm zuzuhören.

Ausgesprochene Empfehlung meinerseits!

1 Kommentare:

Mondperle hat gesagt…

Hört sich echt spannend an, danach werde ich mal Ausschau halten :)

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